60 Jahre BRD

MfS60 Jahre BRD – da wird in Deutschland natürlich kräftig Geschichte (um-)geschrieben, um dies „aufzuarbeiten“. Hauptaugenmerk liegt dabei freilich auf der Beschwörung des Gegensatzes zwischen der humanistischen, freiheitlichen, demokratischen BRD und dem angeblichen Unrechtsstaat DDR. Und wenn die BRD sich selbst inszeniert, dann müssen neue „historische Erkenntnisse“ her, koste es, was es wolle – und sei es die Wahrheit, die auf der Strecke bleibt. Letztes Kapitel: „Der 2. Juni 1967 und die Staatssicherheit“ – ein Stasi-Spion habe 1967 Benno Ohnesorg ermordet, Freispruch für den BRD-Gewaltapparat.
Der Westberliner Polizist Karl-Heinz Kurras, der am 2. Juni 1967 während der Demo gegen den Besuch des persischen Schahs den Studenten Benno Ohnesorg erschossen hatte, soll schon ab 1955 ein Informant des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR (MfS, „Stasi“) gewesen sein. Dies meinte das staatliche BRD-Fernsehen ZDF am 21. Mai 2009 aufdecken zu müssen. Es musste aber – mit offenkundigem Bedauern – eingestehen, „es gebe keinen Hinweis in der Stasi Akte, dass Kurras einen Auftrag hatte, Benno Ohnesorg zu erschießen.“ Noch mehr, das MfS war über den Vorfall wenig erfreut – es ließ Kurras, der auch umgehend aufgefordert wurde, seine Tätigkeit für das MfS einzustellen, die Nachricht zukommen: „Betrachten Ereignis als sehr bedauerlichen Unglücksfall.“

So weit – so unspektakulär. Dass das MfS der DDR seine Informanten in der BRD hatte und umgekehrt der Bundesnachrichtendienst (BND) der BRD die seinigen in der DDR, ist nichts Neues und nicht weiter aufregend. Solche Geheimdiensttätigkeiten sind logische Normalität, egal wie die jeweiligen Staaten und Gesellschaften verfasst sind. Im konkreten Fall war der markanteste Unterschied, dass die Tätigkeit des MfS bekanntlich bis ins Bundeskanzleramt hinein sehr gut funktionierte, wohingegen die vermeintlichen BND-Informanten in der DDR zu 90% Doppelagenten im Dienste des MfS waren. Was die jeweiligen Informanten jedoch ansonsten in ihrem „normalen“ Leben und Berufsleben taten, entzog sich weitgehend der Kontrolle des jeweiligen Geheimdienstes – das gilt auch für den Polizisten Kurras. Dessen seinerzeitiger Freispruch lässt aber auch die Vermutung zu, dass er in Wirklichkeit vielleicht auf der BND-Gehaltsliste stand.

Also kein DDR-Schießbefehl auf der Westseite der Mauer, für den das MfS verantwortlich gemacht werden kann? „Sehr schade“, dachte man sich wohl beim bundesdeutschen ZDF, „Scheißegal“, dachte man sich offenbar beim österreichischen ORF. Bei diesem ist im Teletext vom 22. Mai nämlich trotzdem die Schlagzeile zu lesen „Benno Ohnesorg von Stasi erschossen“. Das ist eben wahrer Qualitätsjournalismus,

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