Ruf nach Aufklärung über Diskriminierung in Kuba

Mariela Castro Espin

Mariela Castro Espin

Mexiko-Stadt. Die Direktorin des kubanischen Instituts für Sexualerziehung („Centro Nacional de Educación Sexual“ – kurz CENESEX), Mariela Castro, hat in einem Interview mit der mexikanischen Tageszeitung La Jornada Aufklärung über die aus den 1960er und 70er Jahren bekannten Fälle sexuellen Missbrauchs und sexueller Diskriminierung verlangt.

Die Forderung von Castro, die seit elf Jahren dem Centro Nacional de Educación Sexual vorsteht, bezieht sich dabei vor allem auf die Vorkommnisse aus den Unidades Militares de Ayuda a la Producción (UMAP), in denen zahlreiche Homosexuelle in den Jahren zwischen 1965 und 1968 Arbeiten in der Landwirtschaft verrichten mussten. Um die damaligen Geschehnisse zu untersuchen, will die Direktorin des CENESEX sowohl Aussagen von Rekruten wie auch von Offizieren der beteiligten Produktionseinrichtungen einbeziehen und damit zu einer wahrheitsgetreuen Darstellung dieser Epoche der kubanischen Revolution beitragen. In diesem Kontext sprach sie dabei auch von den bislang unzureichend vorhandenden Erkenntnissen und  Falschinformationen, die häufig zu einer Fehlinterpretation beigetragen hätten und verneinte die Behauptung, dass alle damaligen UMAP-Direktoren homophobe Einstellungen besessen hätten. Als noch weit problematischer bezeichnete Mariela Castro hingegen die Erfahrungen, die Homosexuelle während des so genannten „grauen Jahrfünfts“ zu Beginn der 70er Jahre machen mussten, als ihnen häufig die Arbeitssuche erschwert und ihre berufliche Weiterentwicklung behindert wurde.

Die Aufarbeitung dieser Vorkommnisse, die nach den Worten der CENESEX-Direktorin auch Ausdruck der revolutionären Umbrüche zu Beginn der kubanischen Revolution und der fehlenden Erfahrung ihrer Führungskräfte darstellen, soll heute der „Weiterentwicklung des sozialistischen Entwicklungsmodelles“ dienen und besitzt eine zentrale Bedeutung in der Tätigkeit des Zentrums für Sexualerziehung. Weitere Schwerpunkte der Arbeit des CENESEX stellen darüber hinaus die Agenda-Setting-Rolle des Zentrums dar, die schon jetzt dazu geführt hat, dass offene Debatten zum Thema Sexualität angeregt wurden und zahlreiche Antidiskriminierungskampagnen durchgeführt werden konnten.

Autor/Quelle: Steffen Niesse auf amerika21.de

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