HIV-Prävention geht neue Wege

Nach zweijähriger Vorbereitung hat die Deutsche AIDS-Hilfe (DAH) eine bundesweite Kampagne zur Intensivierung der HIV-Prävention bei Männern, die Sex mit Männern haben, vorgestellt, berichtet die Zeitung junge Welt am 16. Oktober 2008. Ziel ist es, falsche Schutzstrategien frühzeitig als solche zu entlarven. Seit 2001 steigen die HIV-Neudiagnosen obwohl der Wille sich zu schützen auch bei den Adressaten der Kampagne ungebrochen hoch ist. Experten gehen davon aus, dass die stärkere Verbreitung anderer Geschlechtskrankheiten, wie Syphilis, auch die Verbreitung von HIV begünstigt und dass die o.g. Zielgruppe bei generellem Präventionswillen sporadisch dazu neigt, mal ein Risiko einzugehen. Der Sexualwissenschaftler Martin Danecke meint dazu, es gebe einerseits eine große Anzahl von Männern, die Präventionsüberlegungen relativ verlässlich einhielten aber andererseits eben auch eine kleine Gruppe, die dies nicht tue und die bei weitem größte Gruppe existiere in der Grauzone dazwischen. „Für diese Gruppe brauchen wir ausdifferenzierte Botschaften. Sonst bleibt sie außerhalb der Erreichbaren…“ so Danecke. Die DAH wird ihr bisheriges Programm erweitern auf Männer in Paarbeziehungen. Kontexte, die risikoreiches Verhalten fördern, sollen ebenso berücksichtigt werden, wie der Gebrauch von Drogen im Zusammenhang mit sexuell riskantem Verhalten. „Prävention muss sich immer neu erfinden, um attraktiv und erfolgreich zu sein.“ stellte dazu die AIDS-Hilfe NRW auf ihrer Jahreskonferenz fest, wie das Gay-Magazin rik in seiner Oktober-Ausgabe berichtet.

In der „Szene“ und im Internet unterwegs

Die stärkere Verlagerung auf das Internet aber auch die steigenden Zahlen von HIV-Neuinfektionen haben auch den NRW-Landesverband zum Umdenken genötigt. Der Verband setzt nun auf „szenennähere“ Prävention, erklärt Michael Wurm, Mitarbeiter der AIDS-Hilfe NRW. Individuelle Beratung in Form von Einzelgesprächen werde in den Vordergrund rücken. Mitarbeiter des Projektes „Herzenslust“ werden gezielt Szenekneipen aufsuchen und Menschen persönlich ansprechen. Auch die Online-Aufklärung soll erweitert werden. So nutzen seit Anfang 2008 bereits 64 Projektmitarbeiter das Portal „gayromeo“ um gezielt User-Anfragen zu beantworten.

Ein Schnelltest ab November

Eine Neuerung ist das Angebot „Beratung und Test (BuT)“, das in Köln in Kooperation mit den Gesundheitsorganisationen Checkpoint und Check Up durchgeführt wird. Es handelt sich dabei um die Kombination eines eingehenden Beratungsgespräches mit einem anschließenden HIV-Schnelltest. Musste man bisher sieben bis zehn Tage warten, dauert die Diagnose nun etwa 15 Minuten. Dabei reicht ein Tropfen Blut aus den Fingerkuppen zur Analyse. Die Blutentnahme und –analyse erfolgt durch einen Arzt vor Ort. Die Hemmschwelle vor einem Test könnte so herabgesetzt werden, weil u.a. die zermürbende Wartezeit entfällt, wie auch Studien in München und England belegen.

„Niemand wird allein gelassen, vor allem nicht im Falle eines positiven Testergebnis“ betont Wurm und verweist auf die professionelle Betreuung durch Psychologen und Sozialpädagogen. Die AIDS-Beratung des Gesundheitsamtes Düsseldorf bietet das BuT-Programm seit dem 14. Oktober an. Der Schnelltest kann an jedem zweiten Dienstag im Monat von 16-18 Uhr kostenlos und anonym durchgeführt werden. Im Kölner Checkpoint führt das Programm am 20. November ein. Hier kann der Test jeden Donnerstag von 19-22 Uhr durchgeführt werden. Dort werde man allerdings zunächst einen Unkostenbeitrag von 10,- € entrichten müssen, so Uschi Peters, die Projektleiterin des Info- und Gesundheitsladens in Köln, zumindest bis man vom städtischen Gesundheitsamt und dem Land NRW Mittel zur Verfügung gestellt bekomme um den Service künftig gratis leisten zu können.

Des weiteren ist die Einrichtung eines „Testbusses“ geplant, der durch NRW tourt und gezielt in der Nähe von „Szenetreffs“ Station macht. „Das bietet ganz andere Rückzugsmöglichkeiten.“ so Wurm.

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