Aufmarsch der Hassprediger

Fundamentalisten wollen in München gegen Gleichstellung und Sexualaufklärung demonstrieren

Von Markus Bernhardt

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Erneut macht eine Koalition aus christlichen Fundamentalisten, »besorgten Eltern« und Rechtskonservativen gegen die Gleichstellung von Lesben, Schwulen und Transsexuellen mit Heterosexuellen mobil. Unter dem Motto »Stoppt Gender und Sexualpädagogik der ›Vielfalt‹ in Bayerns Schulen« wollen sie am 24. Juli in München aufmarschieren. Schon seit geraumer Zeit häufen sich die Aktivitäten dieser Ewiggestrigen, die zeitweise mit mehreren tausend Teilnehmern in unterschiedlichen bundesdeutschen Großstädten, wie etwa Stuttgart, demonstrierten (jW berichtete).

or allem eine an den Lebensrealitäten junger Menschen orientierte Sexualaufklärung im Schulunterricht ist den Gleichstellungsgegnern ein Greuel. Offensiv lehnen sie es ab, dass in Schulen auch über Homo- und Transsexualität geredet wird. »All das untergräbt in untragbarer Weise das grundgesetzlich garantierte Erziehungsrecht der Eltern und leistet der Verunsicherung und Indoktrinierung unserer Kinder Vorschub«, heißt es etwa in einer Petition, die bereits über 16.000 Menschen unterstützt haben.

Jüngste Studien bestätigten, dass es um die Gleichstellung und Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und Kontakte auch in Deutschland noch immer schlecht bestellt ist. So berichten 15 Prozent der Teilnehmer einer kürzlich von der Deutschen AIDS-Hilfe veröffentlichten Studie, in den zwölf Monaten vor der Befragung verbale oder körperliche Gewalt erfahren zu haben. Bei den 16- bis 19jährigen waren es sogar 37 Prozent (jW berichtete).

Wie schon bei ihren bisherigen Aufmärschen werden die Rechtskonservativen auch in München auf den Widerstand von Lesben- und Schwulengruppen, Antifaorganisationen und bürgerlichen Demonstranten treffen. So mobilisiert das Aktionsbündnis »Vielfalt statt Einfalt« bereits zu Protesten. »Wir wenden uns gegen die sogenannte Demo für alle und deren Ableger, wie auch immer sie sich nennen.« Ziel ihrer Kundgebung in München sei es, »die geplante Einführung der überarbeiteten Richtlinien für Sexualerziehung in Bayern zu verhindern«, so der Vorwurf des Aktionsbündnisses. Die Fundamentalisten würden zudem »gezielt mit Fehlinformationen und verschwörerischen Begriffen wie ›Gender-Ideologie‹, ›Sexualisierung‹ und ›Indoktrination‹ arbeiten« und ein »Bild der Zerstörung ›klassischer‹ Familienstrukturen« zeichnen. Dagegen wolle das Bündnis »Vielfalt statt Einfalt« auf die Straße gehen. Schließlich habe das kürzlich in Orlando stattgefundene Attentat einmal mehr gezeigt, wie wichtig der Kampf gegen Hass und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit sei. »Wir bleiben hier, wir bleiben laut, und wir kämpfen weiter für gleiche Rechte in allen Lebensbereichen. Denn sicher ist: Die Community und alle, die sich für eine freie und offene Gesellschaft einsetzen, stehen zusammen«, gibt sich das Bündnis auf seiner Facebook-Seite kämpferisch.

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Vielfalt statt Einfalt:

Sonntag, 24. Juli, um 12.30 Uhr

am Richard-Strauss-Brunnen

(Neuhauser Straße 8), München

 

Wir danken der Tageszeitung JungeWelt und dem Autor Markus Bernhardt dass wir diesen Artikel übernehmen konnten.

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2 comments on “Aufmarsch der Hassprediger
  1. Günther Wassenaar sagt:

    Wenn ich lese, „verschwörerischen Begriffen wie ›Gender-Ideologie‹,…“ und dann mitbekomme, dass der Artikel in der JungenWelt stand, bekomme ich das Grauen.

    Der Begriff der „Verschwörungstheorie“ ist das Todschlagargument der reaktionärsten und rückständigsten Kasten des Bürgertums – derjenigen, die jeder argumentativen Auseinandersetzung werder gewachsen sind noch eine solche wollen.

    Wer die Sprache des Klassengegners übernimmt – kann NIE gewinnen! Das sei den Leuten der JungenWelt und ebenso dennen von DKP-Quer ins Stammbuch geschrieben.

    Ich will gewinnen – will dieses dekadente, stinkende, faule, parasitäre, kapitalistische System auf dem Misthaufen der Geschichte sehen – wehre mich aus dem Grund dagegen, wenn Menschen die sich Klassengenossen nennen, die Sprache des Klassengegners benutzen. Jedes Imperium vernichtet die Sprache und die Kultur der unterdrückten Staaten.

    Schon am Sprachgebrauch erkenne ich, dass diese Position nicht meine Position ist – und es auch nie werden wird.

    Für mich ist und bleibt es so, dass dieses System, die sogenannte sexuelle Freiheit – derart „verteidigt“ – indem es versucht, alle anderen auf dieses Thema festzulegen – da es die eigentliche Freiheit der Menschen – insbesondere die Freiheit vor der Unterdrückung, die Freiheit vor der Ausbeutung – nie realisieren kann und will. Es schafft ersatzschlachtfelder – um von der wirklich notwendigen Schlacht abzulenken.

    Tummelt Euch weiter auf den Nebenschauplätzen – ich bin für Friedenskampf als Hauptaufgabe – und diese ist auch für Jeden Homosexuellen, für Jede Lesbe, für Jeden, der andere als transsexuelle Neigungen verspürt – lebenswichtig

    • stefan sagt:

      na, hier scheint mir noch jemand aus den 70iger jahren die falsche Einteilung in „haupt-&nebenwidersprüche“ damaliger maoistischer gruppen zu haben, statts an allen fronten kämpfen zu wollen. die Bourgeoisie lenkt eben nicht mit freier Sexualität von wichtigeren kampffeldern ab, sondern auch freie Sexualität mußte gegen diese erkämpft werden. irgendwann versuchten die, die bürgerlichen unter den schwulen mit dem Eheversprechen (bzw. verpartnerung) zu ködern , damit sich nicht auch noch schwule Manager gegen das System wenden, während gleichzeitig schwule die immer noch nachts in parks herumstreunen („jetzt wo ihr heiraten dürft, macht sowas zuhause“) verstärkt polizeilich notiert wurden.

      ich glaube diesen Kommentator von „linke Zeitung“ zu kennen, wo er letztendlich reaktionär ausfällig wurde gegen schwule, nachdem er vorher für die vermeintlich proletarische ehe (saubere Mädels &starke jungs) argumentierte, welche die bürgerliche ist.

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