Aus der aktuellen UZ

 

Der CSD muss wieder politisch werden! Titel der red&queer Nummer 23.

Der CSD muss wieder politisch werden! Titel der red&queer Nummer 23.

Die CSD (Christopher Street Day) Saison ist in vollem Gange und jetzt startet auch DKP queer nach dem auch für uns mehr als erfolgreichen UZ-Pressefest unsere CSD Saison.

Den CSD gegen die reaktionäre Arbeit des LSVD (Lesben und Schwulenverband Deutschlands) zu repolitisieren haben wir uns schon vor Jahren auf die Fahnen geschrieben und punktuell ist uns dies auch zumindest ansatzweise gelungen. Nur reichen tut es noch lange nicht.

Der Christopher-Street-Day hat seinen Ursprung im Jahr 1969. Damals, als vor 45 Jahren in den frühen Morgenstunden des 28. Juni die sogenannten sexuellen Minderheiten erstmalig den Aufstand gegen eine anhaltende Serie brutaler Übergriffe und Repressionsmaßnahmen durch die Polizei probten. So kam es in Folge von neuerlichen Angriffen der Beamten auf die in der New Yorker Christopher Street gelegene Bar „Stonewall Inn“ zu Straßenschlachten zwischen der Staatsmacht auf der einen und Lesben, Schwulen und Drag Queens auf der anderen Seite.

Als 1979 die erste CSD-Demonstration in Berlin stattfand, wurden noch politische Forderungen aufgestellt, die sich nicht nur auf Homosexualität bezogen, sondern auch das kapitalistische Gesellschaftsmodell an sich radikal in Frage stellten. So dominierten damals Parolen wie „Brüder und Schwestern, warm oder nicht, Kapitalismus bekämpfen ist unsere Pflicht!“ oder „Lieber ein warmer Bruder als ein kalter Krieger“ das Demonstrationsgeschehen.

Wenn man aber heute einen Blick auf die Umzüge wirft, die sich ja noch immer auf die Vorkommnisse in New York beziehen, fällt schnell auf, dass die aktuellen CSD-Aktivitäten der spärlichen homosexuellen Bewegung mit ihrem Ursprung nicht mehr viel gemein haben. Aus ursprünglich politischen Demonstrationen, die sich gegen Diskriminierung und die Ausgrenzung von Schwulen, Lesben, Transsexuellen und später auch HIV-Positiven stark machten, sind heutzutage vor allem bei den großen CSD wie z.B in Köln oder Berlin karnevaleske Sauf- F**k- und Partygelage geworden, auf denen die einst gesellschaftlich Verpönten ihrer politischen Beliebigkeit frönen.

Wo Folklore regiert, kann Politik nicht stattfinden“, hat Wiglaf Droste 2005 in einer bürgerlichen Zeitung geschrieben und den CSD als „eine Mischung aus FKK-Umzug, Loveparade und Schlager-Grandprix“ tituliert. Droste gestand dabei jedem Teilnehmenden zu, „als Homosexueller genauso aufdringlich und verblödet sein zu dürfen wie viele Heterosexuelle“. Für dieses Recht zu streiten, sei aber nicht besonders attraktiv. Deshalb wäre es konsequent, den CSD mit dem Rosenmontag zusammenzulegen, so der Satiriker weiter.

Die Queerbewegung muss sich wieder ihrer Geschichte ­erinnern. Daraus kann sie wichtige Schlußfolgerungen für politische Auseinandersetzungen ziehen. Unser Motto kann nur lauten: „Weg vom Karneval im Sommer, zurück zu unseren Ursprüngen!“

Am 19. und 20. Juli findet der CSD Frankfurt am Main statt. Dort starten wir in diesem Jahr mit einem Infostand auf der großen Friedberger Straße in der Nähe der Konstablerwache unsere CSD Saison. Wir würden uns sehr freuen, wenn UZ Leser_innen auch mal vorbei schauen würden.

Am 19. Juli sind auch die CSDs in Rostock und München. Dort finden Verteilaktionen mit DKP queer Material statt.

Wenn ihr als DKP Gruppe auf dem CSD in eurer Stadt Material von DKP queer verteilen wollt, könnt ihr euch bei uns erkundigen wann der jeweilige CSD in eurer Stadt ist und ihr könnt euch auch bei uns Material zum verteilen anfordern.

Am schnellsten erreicht ihr mich unter: dkphochtaunus@googlemail.com oder thomas@dkp-queer.de

 

 

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One comment on “Aus der aktuellen UZ
  1. Tobias sagt:

    Das mag ja alles stimmen, aber solche Forderungen wie
    „Die Queerbewegung muss sich wieder ihrer Geschichte ­erinnern. Daraus kann sie wichtige Schlußfolgerungen für politische Auseinandersetzungen ziehen.“
    müssen doch auch einen Hintergrund haben. Mich erinnert dieser Text sehr an Markus Bernhardts Artikel „Rangeln statt schmusen“ (jW vom 25.06.) – der ist ebenso voller Imperative und kann vom linken Standpunkt aus von den LGBT-usw-usf-Leuten gar nicht genug verlangen.
    Aber sagt mal, würdet ihr euch als junge Menschen ohne sonderlichen marxistischen Einfluss durch Freunde o.Ä. geradezu natürlich zu den Linken hingezogen fühlen? Sein wir doch bitte mal ehrlich: die bürgerlichen Rattenfänger machen im Augenblick einfach das bessere Angebot.
    Es ist doch so, dass die fortgeschrittenen Länder Westeuropas und Nordamerikas gerade riesige Schritte in die richtige Richtung machen. Natürlich nicht aus plötzlichem humanistischen Geistesblitz, das ist auch mir klar: So lange man die massive Homophobie in der Gesellschaft nutzen konnte, haben das die Bürgerlichen getan – und als es einen gewissen Umschlag gab sattelten sie sehr schnell um und nutzten die spärlichen neuen Zeichen von einsetzender Toleranz aus um dem Pöbel die Zurückgebliebenheit der ökonomisch-strategischen Gegner nur noch kontrastreicher aufzuzeigen.
    Aber im Fahrwasser dieses Manövers lässt sich für uns immer noch mehr an realen Veränderungen rausholen als man von den ignoranten Linken im Westen wird erwarten können, die bei jeder ungerechten Behandlung irgendeiner anderen Minderheit (richtigerweise!) sofort losschreit, der aber Millionen von Homosexuellen nicht sonderlich wichtig sind. Im Augenblick bildet sich scheinbar gar eine gegensätzliche Tendenz heraus: weil die bürgerlichen Medien reaktionäre Entwicklungen z.B. in Russland so demagogisch für die eigene Kriegsrhetorik ausnutzen, scheinen einige Linke die sich vorher natürlich noch nie Gedanken zum Thema gemacht haben (ist ja auch nur ’ne kleine, irgendwie komische Minderheit) geneigt das Kind mit dem Bade auszuschütten und sehr gern „die ganze Schwulensache“ eher zu verteufeln als sich differenziert zu positionieren.
    An viele Linke in anderen Teilen der Welt traut man sich in diesem Zusammenhang kaum zu denken – KKE (was wirklich weh tut weil man sonst so neidisch auf diese tolle Partei ist), KPRF, Lateinamerika…
    Was ich sagen will: wieso sollte man sich denn nicht den Bürgerlichen an den Hals werfen? Sie machen im Moment das eindeutig bessere Angebot. In so einer Situation finde ich es von Linken vermessen zu verlangen, dass die Schwulen und Lesben sich gefälligst auf glorreiche klassenkämpferische Tage zurückbesinnen sollen, statt vielmehr von anderen Linken zu verlangen sich mal mit einem Bruchteil der Energie um 5-10% der Bevölkerung zu scheren, die sie tagtäglich für andere Minderheiten hochengagiert und hochemotional aufbringt.
    Aber es sind ja nur wir…

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