Blutbad in Israel

telaviv3Bei einem Attentat auf einen Treffpunkt für schwul-lesbische Jugendliche in Tel Aviv (Israel) sind am Abend des 1. August ein 16-jähriges Mädchen und ein 26-jähriger Gruppenleiter getötet worden. Rund 15 weitere Menschen wurden verletzt, viele davon schwer, der Täter konnte entkommen. In der Nacht k am es direkt zu einer Spontandemonstration, am 2. August protestierten Tausende in ganz Israel.

Ein vermummter, schwarz gekleideter Mann soll um ca. 22.30 Uhr Ortszeit in das Treffen im Keller der Gay and Lesbian Association (AGUDA) gestürmt sein und mit einem Sturmgewehr sofort das Feuer eröffnet haben. Augenzeugen sprechen von einem Blutbad.
In diesen Räumen treffen sich jeden Samstags Jugendliche zwischen 16 und 22 Jahren zu Freizeitgestaltung und Coming-out-Gesprächen. Viele der Jugendlichen sollen noch ungeoutet sein und sich dort informiert haben. Medienberichten zufolge wurde Liz Trobishi, ein 16-jähriges Mädchen aus Holon und der 26-jährige Gruppenbetreuer Nir Katz aus Givatayim getötet.

Der 16-jährige Or Gil, der mit Schusswunden an Brust und Knie behandelt werden musste, berichtete: „Ich bin schockiert, dass einige Eltern über diesen Weg von der Homosexualität ihres Kindes erfahren.“ Als der Schwarzgekleidete den Raum betreten hat, sei er zuerst von einem „dummen Scherz“ ausgegangen. „Aber er eröffnete sofort das Feuer.“

Der Journalist und schwule Aktivist Danny Zak sagte der „Jerusalem Post“, ein solches Verbrechen sei nur eine Frage der Zeit gewesen. Die Shas-Partei habe „das Blut von zwei unschuldigen Jugendlichen an ihrer Hand“, da sie das schwulenfeindliche Klima angefeuert habe, etwa durch Aussagen, dass Homosexualität zu einem Erdbeben führen würde.

Das queer Zentrum liegt in einem ursprünglich stark religiösen Viertel im Zentrum von Tel Aviv. Allerdings hat es in den letzten Jahren einen positiven Wandel zu einem säkulär orientierten Stadtteil vollzogen. Viele fundamentalistischen Juden haben sich allerdings häufig gegen die dort durchgeführten CSDs ausgesprochen. 2005 war ein junger Ultra-Orthodoxer mit einem Messer auf CSD-Teilnehmer in Jerusalem losgegangen, bei der Parade zwei Jahre später konnte ein Mann mit einem Sprengsatz von der Polizei gerade noch gestoppt werden.

Noch am Abend zogen spontan Hunderte Menschen durch die Innenstadt von Tel Aviv und legten Blumen und Kerzen nieder. Am Sonntag haben sich um 17 Uhr Ortszeit  tausende Menschen in Tel Aviv zu einer Protestkundgebung versammelt, in Jerusalem, Haifa und Beersheba kamen Hunderte zusammen. Eine Knesset-Abgeordnete sagte bei der Kundgebung in Tel Aviv: „Die Pistole hat nicht von selbst geschossen, der Schütze nicht von selbst gehandelt – hinter ihm stand Aufstachelung und Hass.“  Der offen schwule Sozialdemokratische Abgeordnete Nitzan Horowitz gab sich kämpferisch: „Wenn jemand denkt, dass wir Angst hätten, liegt er falsch. Wenn jemand denkt, wir setzen uns jetzt hin und nehmen das einfach hin, liegt er falsch.“

Dass sowas kommen musste ist erschreckend aber durchaus nachvollziebar. In einem Staat in dem rassistische Zionisten, mit Ultranationalisten und Fundamentalisten in einem Kabinett sitzen. Auch wenn diese Parteien jetzt Mitgefühl häucheln oder eine Mitschuld leugnen, wie es die fundamentalistische Shas Partei tat. Ohne einen Bodensatz dieser Ideologien, allmachts- und rettungsphantasien, gerade in sozialen und politischen Spannungszeiten macht sich so etwas immer mehr breit. Resignierte isrealische Psychologen formulieren es schon seit geraumer Zeit so, dass es wohl notwendig ist, dass die Gesellschaft ihren nationalistischen und rassistischen Höhepunkt erst noch erreichen muss, bevor sie „normal“ werden kann. Seit Jahren geht Israel diesen Weg: Krieg und Terror sind allgegenwärtig. Jetzt traf es eine andere „Minderheit“ die nicht ins Bild der Fanatiker passt. Die Community reagierte in Israel angemessen, wütend und politisch und machte die Shas-Partei für diesen Terroranschlag zumindest ideologisch mitverantwortlich.

Man stelle sich vor, was für ein politisches Klima in der BRD herrschen würde, wenn es eine Koalition aus einer rechten „CSU“ Abspaltung mit der „Partei Bibeltreuer Christen“, der Partei „Christlichen Mitte“, der „DVU“, den „Republikanern“ und der „NPD“ geben würde.

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