Coming of Age statt Coming Out

Vielen Dank an Daniel aus München für diese Filmrezension!

45-1_5-16_cb_likes-doppelseite2-300x300Der auf Anderas Steinhöfels gleichnamigen Roman Die Mitte der Welt basierende Film von Jakob M. Erwa erzählt die Geschichte von Phil, der mitten im Nirgendwo zusammen mit seiner melancholisch-feindseligen Zwillingsschwester Dianne und seiner liebevollen aber unkonventionellen Mutter Glass aufwächst. Phils beste Freundin Kat scheint genauso speziell zu sein, wie Phils Familienkonstellation: Die ständig wechselnden Haarfarben, der exzentrische Kleidungsstil und ihre Lebensfreude, die sie stets lautstark unter Beweis stellt, komplementieren Phils Umfeld, von dem sich die Dorfbewohner lieber fern halten.

Ohnehin schon chaotisch, wird Phils Leben so richtig turbulent, als sein neuer Mitschüler Nicholas die Bühne betritt und hier wollen wir dann auch mal einhaken und lobend hervorheben, wie cool der Film mit Homosexualität umgeht. Was uns besonders gut gefällt ist die entspannte Haltung gegenüber einem höchst problematischen Thema, denn, es erscheint fast dem Zufall geschuldet, dass der Protagonist Phil auf Jungs steht.

Sich gerade in der Provinz zu outen ist in dem meisten Fällen immer noch furchtbar, keine Frage. (Die Suizidraten liegen im Vergleich viel höher, nicht selten muss man mit Beschimpfungen, offener Verachtung, auch Gewalt umgehen, gar von zuhause flüchten.) Der Film zeigt solche Szenen nicht, sondern zeichnet eine Welt, die sich in dieser Hinsicht dadurch auszeichnet mit Gelassenheit die Normalität von Liebe und Sexualität zwischen Menschen in Szene zu setzen.

Dass der Schönling Nicolas sodann gar auf Phil, der ihn tagelang beim Laufen auf dem Sportplatz schüchtern beobachtet, zugeht und es zum ersten Rummachen und Anfassen in der Sportumkleide kommt, ist dann auch bald nicht mehr so überraschend. Dabei ist der Film kein Wohlfühlkino, das den Zuschauer mit einem astreinen Happy End ausgestattet ins Leben entlässt, denn neben den liebevoll nachvollzogenen Irrungen und Wirrungen des Teenager-Daseins, sind die hier verhandelten Probleme im besten Sinne tragisch.

Wer auf Coming of Age-Filme steht, sich an starken Frauenfiguren, Vater-Issues, dunklen Geheimnissen, ganz dicken Gefühlen und unkonventionellen Familienkonstellationen und hier und da mal Pipi in den Augen erfreut, dem sei der Film ans Herz gelegt: Voll süß und arg bitter.

 

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