CSD Frankfurt 2008: »Noch immer nicht gleichberechtigt!«

Schon am Freitag, den 18.07., sollten wir unseren Pavillion aufbauen, was wir leider auch brav getan haben – naja, klappte soweit ganz gut, bis auf die Tatsache, dass der über Nacht da bleiben sollte und wohl ein paar mal weggeweht ist, was man ihm danach auch angesehen hat. Nachdem der Infostand dann stand – zwischen der PDL und der Gruppe Rosa Lüste (RL) aus Mainz – sind wir dann auch gleich weiter zum Genossen Michael, um dort Buttons für den CSD zu machen. Am Samstag ging es dann erst richtig los. Wie gesagt, den Pavillon mussten wir erst einmal verarzten, hatten ihn aber schon bald publikumsverkehrstauglich eingerichtet – ebenso PDL und RL neben uns. Die Blockparteien (CDU, FDP, SPD, Grüne), mit denen man uns und die RL in einen Pulk abseits des Geschehens gesteckt hatte, tauchten dann auch vereinzelt auf um ihre verwaisten Stände langsam mit Leben zu erfüllen, Elan dabei zeigten neben uns einzig die Labilen, ähm, die Laberer, Verzeihung, die Liberalen, die LSU (Lesben und Schwule in der Union) war zunächst mit genau einem Mann dort, ebenso wie die Bündnisgrünen, und die sogenannten Sozialdemokraten ließen sich zunächst gar nicht blicken, was wir dann natürlich zum Anlass beißenden Spottes genommen haben. Ab und an ließ sich eine seltsame gelbe Scheibe am Himmel blicken aber zumeist regnete es in Strömen und wir waren damit beschäftigt, den Stand festzuhalten, damit er nicht von Sturmböen erfasst wurde.

Die Parade zog an uns vorbei. Nun löste sich auch das Rätsel um die unsozialen „Sozies“, die sich leider nicht aufgelöst hatten sondern lediglich ALLE bei der Parade mitmachen wollten, so dass keiner mehr beim Stand war.

Richtig guten Austausch hatten wir mit den Leuten von RL – ich denke, dass man den Kontakt weiter ausbauen sollte, weil man sich politisch nahe steht und durchaus voneinander profitieren kann. Lobenswert hervorheben möchte ich die Unterstützung durch Genossen der DKP Frankfurt, ein Mitglied des Bezirkssekretariat Hessen und zwei Genossen der SDAJ Frankfurt, die uns beim Stand sehr unterstützt haben. – der Genosse vom Bezirkssekretariat hat uns vor allem während unserer Vorstellungsrunde „DKP queer – links von DIE LINKE“ im Cafe Hauptwache sehr entlastet. Nach der PDL hatten wir die Möglichkeit, uns vorzustellen. Nun ja, WIR hätten den Veranstaltungsort fast nicht gefunden, da wundert es auch kaum, dass wenig andere dort waren. Dennoch konnten wir mit den Anwesenden gute Gespräche führen – u.a. über unsere Standpunkte zur Ehe und zur Emanzipation von Partnerschaften jenseits der bürgerlichen Norm, unabhängig von Geschlecht, Anzahl etc. Die Nacht auf den 20.07. hatten wir den Pavillon „tiefer gelegt“ – d.h. nur das Dach stehenlassen, das restliche Gestänge drunter geschoben und mit dem Tapeziertisch beschwert. Intelligenzabwesenderweise haben wir die Tischdecke dort gelassen, die am nächsten Tag selbstverständlich triefend nass war. Dass der Pavillon erneut gelitten hatte, brauch ich wohl nicht extra zu erwähnen.

Der Sonntag entsprach dann wenigstens seinem Namen und die gelbe Scheibe am Himmel erfreute uns etwas mehr – so kamen auch wesentlich mehr Leute an unseren Stand, mit denen man ins Gespräch kam. Gegen Ende des Tages wurde es dann wieder stürmisch aber wir konnten nicht einfach abbauen, sondern mussten bis 20:00 warten – was für alle Beteiligten sehr zermürbend war. Mein persönliches Fazit: Die CSDs in Frankfurt 2006 und 2007 war um Längen besser! Ich hoffe, dass zukünftige CSDs wieder an der Konstablerwache und entlang der großen Friedberger Straße hoch können und sich nicht kreuz und quer verteilen, wie dieses Jahr. An dieser Stelle waren wir der Witterung stärker ausgesetzt und weiter weg vom Schuss, so dass nicht viele sich in unsere Ecke verirrten – das ist besonders schade, weil dadurch der politische Charakter eines CSDs noch mehr in den Hintergrund gedrängt wurde, was sich im 40. Jahr der Geschehnisse in der Christopher Street im nächsten Jahr hoffentlich wieder ändern wird. Naja, wir konnten unser Material an den Mann/die Frau bringen und hatten zeitweise sogar Spaß an der Arbeit, dennoch konnte ich alter Zyniker mir einen Bericht, wie diesen nicht verkneifen

Nachtrag (03.August 2008): Wie wir inzwischen erfahren haben, wird der CSD in Frankfurt, 2009 wieder an der Konstablerwache und auf der großen Friedberger Straße sein. Wir freuen uns.

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