Das Thema Kindesmissbrauch war im Umfeld des NSU virulent

vsNachdem neue Ungeheuerlichkeiten über anscheinende Straftaten des neofaschistischen Terrornetzwerks „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) für öffentliches Entsetzen sorgen, wird zunehmend deutlich, dass die angebliche Aufklärung der Sicherheitsbehörden und auch der parlamentarischen Untersuchungsausschüsse vollends mangelhaft ist.

So sollen die Terroristen von 2000 bis 2006 nicht nur insgesamt neun Migranten und am 25. April 2007 in Heilbronn die Polizistin Michèle Kiesewetter ermordet haben. Mittlerweile mehren sich Hinweise auf Verstrickungen der Nazis in Fälle von Kindesmissbrauch und weitere Morde. So wurde die DNA des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt vor wenigen Tagen an Beweismitteln gefunden, die am Fundort der Leiche des über 15 Jahre verschwundenen und im Alter von neun Jahren ermordeten Mädchens Peggy K. sichergestellt worden waren.

Böhnhardt galt außerdem schon vor seinem Abtauchen in den Untergrund als Verdächtigter im Falle des 1993 ermordeten aus Jena stammenden Bernd B. Eine Tatbeteiligung konnte ihm damals zwar nicht nachgewiesen werden. Jedoch ist Böhnhardt nicht der Einzige aus dem NSU-Netzwerk, dessen Name mit Kindesmissbrauch und ähnlich gelagerten Vorwürfen in Verbindung gebracht wird. So wurde Tino Brandt, jahrelang V-Mann des sogenannten Verfassungsschutzes und zugleich Anführer des „Thüringer Heimatschutzes“, aus dem sich der NSU später herausbildete, wegen sexuellen Missbrauchs von minderjährigen Jungen verurteilt. Auch auf dem Computer der offensichtlichen drei NSU-Kernterroristen Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe in der von ihnen bewohnten Wohnung in der Zwickauer Frühlingsstraße hatten Ermittler Kinderpornografie gefunden. Ein entsprechendes Strafverfahren gegen Zschäpe wurde von den Behörden jedoch eingestellt. „Das Thema Kindesmissbrauch war die ganze Zeit im Umfeld des NSU virulent“, konstatierte jüngst auch Opferanwalt Mehmet Daimagüler.

Die neuerlichen Erkenntnisse dürften vor allem für die Geheimdienste ein neuerliches Desaster darstellen, waren diese doch in das mörderische Treiben der Naziterroristen involviert. Somit stellt sich mittlerweile die Frage, ob die Inlandsgeheimdienste nicht auch weitergehende Erkenntnisse über die Mordfälle Peggy K. und Bernd B. und mögliche Täter hatten und diese bewusst zurückhielten. Dass die Schlapphüte keinerlei Kenntnis über das Treiben ihres V-Mannes Tino Brandt im Bereich des Kindesmissbrauches und der Förderung der Prostitution gehabt haben, dürfte ausgeschlossen sein. Derlei war selbst anderen bei den besagten Behörden unter Vertrag stehenden V-Leuten bekannt.

Weitere Fragen wirft unterdessen auf, dass die einst in der „Soko Peggy“ eingesetzte Polizistin Anja W. mit dem späteren NSU-Mordopfer, der Polizeibeamtin Michèle Kiesewetter befreundet war. Antworten auf die offenen Fragen und jeweiligen Mordhintergründe dürften neben Beate Zschäpe also vor allem die Inlandsgeheimdienste und Polizeibehörden geben können.

Wir danken dem Autor Markus Bernhardt

Dieser Artikel ist in der aktuellen Ausgabe der UZ erschienen.

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