Das war der CSD Frankfurt am Main 2009

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Unser Organisationspolitisch Verantwortlicher im Gespräch

Als an diesem Wochenende Frankfurt ins Meer der Regenbogenfarben getaucht ist, war es das erste Mal ohne den Gründer und Organisator des Frankfurter Christopher Street Days. Rainer Gütlich nahm sich in der Nacht vom 26. zum 27. Juni in seiner Wohnung das Leben. „Es gibt ein Recht auf Leben, aber keine Pflicht.“ sind die letzten Worte, die von ihm in einem Abschiedsbrief übermittelt wurden. Gütlichs letzter Wunsch war, dass man statt Blumen Lose zugunsten der Frankfurter AIDS-Hilfe kauft.

„Wir wollen eine dauerhafte Grundlage für ein vorurteils- und diskriminierungsfreies Miteinander legen“ erklärte Jürgen Banzer, hessischer CDU-Landesminister für Arbeit, Familie und Gesundheit. Wie ernst er es damit meint, sollte er am besten erstmal mit H.J. Irmer, Vorsitzender des Arbeitskreis Schule der CDU im hessischen Landtag ausdiskutieren. Der Rechtsaußen Irmer empfahl vor einigen Jahren u.a. Homosexuellen eine „therapeutische Behandlung“.

Zum vierten mal beteiligte sich DKP queer mit einem Infostand am CSD Frankfurt. Wir führten viele interessante Gespräche, brachten einiges an Material unter die Leute und sehen unser Auftreten auf diesem CSD als einen großen Erfolg an. Wir bedanken uns bei allen Helferinnen und Helfern vor und hinter den Kulissen und freuen uns auf den CSD Frankfurt 2010.

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Der CSD wird jährlich zur Erinnerung an die Straßenkämpfe rund um die Christopher Street im Sommer 1969 begangen. Damals hatten sich Homosexuelle in New York erstmals gegen Schikanen der Polizei zur Wehr gesetzt. Im Programm des lokalen GAY-Magazins „gab“ wurden allerdings aus den 40 Jahren, 20 Jahre. Auf Seite 4 steht „Die Stonewall-Riots im New Yorker Schwulenviertel jähren sich 2009 zum 20. Mal.“ Diese kleine Sache könnte man ja eventuell noch als Tippfehler durchgehen lassen wenn es im Hinblick auf die Bedeutung nicht so peinlich wäre. Schaut man aber ein paar Seiten weiter, gehen dem politisch Interessierten die Augen auf. Zwar stehen dort „40 Jahre Stonewall“ und glücklicherweise nicht mehr „20 Jahre“ aber dass es den § 175 heute nur dank der DDR nicht mehr gibt, sucht man dort vergebens. Der „Werdegang“ des §175 in den letzten 40 Jahren wird zwar Punkt für Punkt in dieser kleinen Broschüre dargelegt, zur Aufhebung steht aber nur

„1989/90 – Deutsche Wiedervereinigung Im Zuge der Rechtsangleichung entscheidet sich der Bundestag schließlich 1994 dazu, den §175 zu streichen.“

Der politische Teil des Frankfurter CSD war insgesammt sehr BRD-bezogen; trotz der Tatsache, dass die BRD einer der rückständigsten Staaten Europas war und ist, was die Rechte queer-lebender und -liebender Menschen angeht. Einen kleinen Blick über eine nicht mehr existierende Grenze in ein anderes System, hätte diesen CSD nach unserer Meinung sehr aufgewertet und der jetzt bald wieder beginnenden DDR Hetze zumindest in der Frankfurter Szene entgegenwirken können.

Stattdessen hat man durch einen manipulativen Fragebogen versucht, die Politik der Regierung sozialistischer Staaten im Bezug auf Homosexualität in bester Kalte-Kriegs-, BILD- oder Tom-Clancy-Tradition zu diffamieren und stellte Behauptungen auf, die schon längst wissenschaftlich wiederlegt sind.

Man sieht, die Angst vor wachsendem Widerstand gegen dieses System im Hinblick auf die Wirtschaftskrise ist so enorm, dass man nun sogar auf CSDs mit DDR-Hetze konfrontiert wird – ein pures Ablenkungsmanöver!

Jetzt ist es an uns, darüber aufzuklären.

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