Deutsche AIDS-Hilfe stoppt Anzeigenschaltungen in „Männer“

105180-preview-pressemitteilung-deutsche-aids-hilfe-startet-bundesweite-hiv-praeventionskampagne-ich-weiss-was-ich-tuDie schwule Zeitschrift Männer trägt immer häufiger zu Ausgrenzung und Diskriminierung bei. Chefredakteur David Berger propagiert ein traditionelles Männlichkeitsbild und provoziert mit teils rechtspopulistischen Aussagen. Diese Ausrichtung steht im Widerspruch zu den Grundsätzen der HIV-Prävention in Deutschland. Die Deutsche AIDS-Hilfe wird darum in „Männer“ keine Anzeigen mehr schalten.

Die bundesweite Präventionskampagne ICH WEISS WAS ICH TU der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH) beendet mit sofortiger Wirkung ihre Anzeigen- und Bannerschaltungen in der „Männer“ und auf deren Website. Prävention in einem redaktionellen Umfeld zu platzieren, das wesentlichen Anliegen der Kampagne zuwiderläuft, verbietet sich.

Ausgrenzung und Abwertung von Menschen sind nicht hinnehmbar

ICH WEISS WAS ICH TU ist eine Kampagne, die Vielfalt anerkennt, schätzt und fördert. Die selbstgewählten Lebensweisen schwuler Männer gilt es zu respektieren und zu schützen, um Menschen stark zu machen – auch beim Schutz vor HIV. Gerade jene, die nicht dem Mainstream und Erwartungen von Gesellschaft und Szene entsprechen können oder wollen, gilt es zu unterstützen. David Berger tut das Gegenteil.

Mitschuldig an Diskriminierung?

Schon seit längerer Zeit forciert der Theologe ein traditionelles Männlichkeitsbild und wertet damit Menschen ab, die diesem Bild nicht entsprechen. Kritiker diskreditiert er als „Body-Phobiker“, die ein Problem mit ihrem eigenen Körper hätten.

In der August-Ausgabe der Männer verfocht ein Autor eine drastische These: Schwule Männer selbst würden ihre Diskriminierung verstärken, wenn sie ihre Andersartigkeit betonten. In einem geschichtsklitternden Vergleich wurde Juden, „Indianern“ und Schwarzen eine Mitschuld an ihrer Verfolgung und Ermordung zugewiesen. Der Autor machte also Opfer zu Tätern.

Auf öffentliche Kritik von ICH WEISS WAS ICH TU antwortete der inhaltlich verantwortliche Berger mit einem Gegenkommentar unter der Überschrift „Keine Denkverbote!“ Damit argumentierte er auf Stammtischniveau nach dem Motto „Man wird doch noch mal sagen dürfen …“

Kommentare gegen die Community

Immer wieder fällt Berger Vertreter_innen der LGBTI-Community in den Rücken, in der „Männer“ und in Online-Medien wie Huffington Post und The European. Emanzipatorische Kräfte der „Queer-Bewegung“ beschimpft er als „queere Ideologen“ und „queere Sexdiktatoren“.

In einem Facebook-Post zu den homophoben Demonstrationen gegen Bildungspläne fragte er: „Rächt sich jetzt die allzu enge Verquickung von wirren Queer/Gender-Theorien und dem Kampf gegen Homophobie, besonders bei Jugendlichen?“. Auch hier unterstellt er eine Mitverantwortung an der Diskriminierung schwuler Männer.

Rückzug aus inakzeptablem Umfeld

Populistische Äußerungen findet Berger „zumindest diskussionswürdig“ (so zum Beispiel die Auffassungen des Lehrers Daniel Krause, der auch auf einer Kundgebung von Pro NRW sprach). Die November-Ausgabe der Männer befasst sich mit dem schwulen „Pro Köln“-Politiker Michael Gabel unter der Überschrift „Ein schwuler Rechter, na und?“ Muslime werden immer wieder pauschal als Urheber schwulenfeindlicher Gewalt dargestellt.

Wie bei den anderen Themen äußert Berger seine Ressentiments meist nicht offen, sondern kleidet sie in Fragen oder verweist scheinheilig auf seine journalistische Aufgabe, Debatten anzustoßen. Haltung und Richtung sind trotzdem unübersehbar. Eine differenzierte Auseinandersetzung zum Thema Homophobie und Islam bleibt der Journalist schuldig. Der Beifall von rechts bleibt indes nicht aus.

Veröffentlicht unter Abgeschrieben

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