Die Anfänge liegen in einem Kaff…

Das Café Harmonie in Berlin Schöneberg

Das Café Harmonie in Berlin Schöneberg

Es begann 2005 mit einer Spalte in der kleinen DKP-Zeitung „Taunus Echo“. Ja die Anfänge von DKP queer liegen in einem Kaff. Genauer, im Hochtaunuskreis in Hessen. Aber was charakterisiert uns, außer das wir „rot“ und „schwul“ sind? Diesem Thema widmete sich eine öffentliche Veranstaltung der Berliner DKP-Gruppe Tempelhof/Schöneberg am vergangenen Donnerstag in der „Harmonie“.

Ganz so harmonisch, wie der gleichnamige Tagungsort mitten im schwulen Schöneberger Kiez vermuten lässt, lief es für uns nicht immer. Wir berichteten, wie wir seit der Konstituierung von DKP queer im August 2006 in Leverkusen, der ein oder anderen Spannungsprobe ausgesetzt waren. Sei es die gespaltenen Reaktionen auf unseren sogenannten „Ficken-Flyer“ oder die Befürchtung einer Fraktionsbildung innerhalb der DKP. Zugegeben, unsere seit 2007 durch den Parteivorstand beschlossene Kommissionsbildung, ist statuarisch nicht immer ganz sauber. Wir versuchen regionale Strukturen zu bilden und erlauben Nichtmitgliedern sich direkt ein- und mitzumischen.

Kernthema unseres Vortrags bildete die Berichterstattung über unsere vielfältigen Aktivitäten. Diese unsere Stärke ist auch ein bisschen unsere Schwäche. Auf unseren Bundestreffen haben wir das erkannt. Neben dem reinen „Aborgen“, spielt Bildung zunehmend eine zentrale Rolle. So verbinden wir mit unserer Einmischung z.B. auf den CSDs, auch die inhaltliche Auseinandersetzung um Repolitisierung derselben.

Der Abend war aber auch von selbstkritischer Auseinandersetzung geprägt. In der Geschichte der Kommunisten, ließ der Umgang mit dem Thema Homosexualität, manchmal zu wünschen übrig. Aktuell erleben wir es bei der KPRF. Es war aber auch August Bebel, der bereits 1898 die Abschaffung des Paragraphen 175 forderte. Seit etwa Mitte der 1950er Jahre fand in der DDR im Prinzip keine strafrechtliche Verfolgung für homosexuelle Liebe mehr statt. In der BRD besaß der Nazi-Paragraph bis 1969 Gültigkeit. Es ist ein Verdienst der DDR, dass auch hier die rechtliche Sonderbehandlung 1994 endlich auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet ist. Wichtig bei allem, sind die historischen Zusammenhänge. In der Diskussion stellten wir heraus, das es für DKP queer keine von der sozialen Frage losgelöste Queer-Politik gibt. Das wird gern von bürgerlicher Seite unterschlagen, wenn man gegen uns hetzt. Beschränkt sich doch deren Programm auf die Schaffung und Pflege v.a. schwuler Biotope, denn auf Beseitigung gesellschaftlicher Grundlagen der Diskriminierung.

Ein weiterer Diskussionsstrang drehte sich um die innerparteiliche Akzeptanz von DKP queer. Wie bei allen Menschen, so auch bei der aus Menschen bestehenden DKP, ist nicht immer alles frei von Makel. Fakt ist jedoch, das das Auftreten gegen Diskriminierung, ein Grundanliegen des Marxismus bildet. DKP queer muss dabei noch lernen, mehr herauszustellen, was es mit „queer“ eigentlich genau meint. Wir haben früher von SLBT (Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle) gesprochen, aber schnell gemerkt, dass wir damit nicht weit kommen. Der Begriff „queer“ hat somit für uns zunächst eine personale Bedeutung. Er geht aber weiter, versteht sich in Opposition zum gesellschaftlichen Normalzustand, der keine Abweichungen duldet. Er wird aber wider seiner ursprünglich progressiven Natur, ebenso besetzt vom linken Bildungsbürgertum, das mit seinen Theorien wie der der Dekonstruktion der Geschlechter losgelöst vom gesellschaftlichen Kontext oder dem von der EU verordneten Gender Mainstreaming, die gesellschaftlichen Grundlagen für Benachteiligung, Diskriminierung oder Gewalt aufgrund sexueller Identität, natürlich nicht benennt. Jedoch, genausowenig wie wir in einem „Wolkenkuckucksheim“ leben, gibt es kein losgelöst vom Kapitalismus betrachtetes Rollenverhalten. Genau hier setzt DKP queer mit einer sozialistischen Perspektive an. Für uns endet der Kampf um Gleichberechtigung nicht mit der Forderung nach einer Homo-Ehe. Uns geht es um mehr, als mit den „Heten“ in Einklang zu leben.

Veröffentlicht in: Berliner Anstoß vom Juni 2011

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