„Die Schönheit von Ost-Berlin – ein Treffen mit Ronald Schernikau“

logoAus dem aktuellen Berliner Anstoß, Zeitung der DKP Berlin

Man kommt ja viel zu selten ins Theater! Man hat wenig Zeit, es ist teuer und der bürgerliche Kulturbetrieb bietet auch nicht immer was Sehenswertes. Aber es gibt Ausnahmen: Im Deutschen Theater gibt es die Ronald Schernikau-Collage: „Die Schönheit von Ost-Berlin“. Es ist eine Collage über das intensive- aber leider viel zu kurze Leben unseres Genossen Ronald Schernikau. Ein bunter und lauter Bilderbogen – genau so schnell und atemberaubend wie sein Leben nun mal war. Erzählt von seiner Mutter – die grandios von Margit Bendokat gespielt wird.

 Ronald Schernikau, geboren 1960 in Magdeburg, war ein Republikflüchtling wider Willen. Er war sechs Jahre alt, als ihn seine Mutter im Kofferraum über die Grenze schmuggelt. „Nicht wegen was Politischem – aus Liebe“ betont sie immer wieder. Sie bleiben heimatlos. Der männliche Anlass der Republikflucht hat heimlich noch eine andere Familie und dazu noch im Wohnzimmer ein Hakenkreuz zu hängen. Der Satz: „Die DDR ist das schönste Land der Welt“ zieht sich durch das gesamte Theaterstück. Ronald Schernikau findet aber seine politische Heimat – seine Weltanschauung. Er wird Kommunist. Mit aller Konsequenz. Schon 1976 wird er Mitglied der DKP. Und er wird Schriftsteller. Noch als Schüler schreibt er sein erstes Buch – die kleinstadtnovelle. Nach Ende seiner Schulzeit zieht er nach Westberlin und wird 1980 Mitglied der SEW. Er studiert an der FU Philosophie und Germanistik. Zu seinen Freunden gehören Gisela Elsner, Irmtraud Morgner, Peter Hacks, Elfriede Jelinek und Matthias Frings. Er taucht aber auch tief ein in die Schwulenszene von West-Berlin. Er lebt seine Homosexualität ganz offen und tritt mit seinem Travestie-Ensemble „Ladys Neid“ auf. Und er schreibt Theaterstücke wie „Die Schönheit“. Ab 1986 studiert er als Westberliner am Institut für Literatur in Leipzig. Seine Abschlussarbeit „Die Tage in L.“ erscheint 1989. Auf den freundschaftlichen aber drängenden Rat von Peter Hacks hin, siedelt er im September 1989 (!) nach Ost-Berlin um – und wird wieder DDR-Bürger. Er lebt in Hellersdorf und arbeitet als Dramaturg für den Deutschen Fernsehfunk. Das Ende seiner herbei gesehnten DDR-Staatsbürgerschaft kam bekanntlich sehr rasch. In einer viel beachteten Rede auf dem Kongress des Schriftstellerverbandes im März 1990 bezeichnete Schernikau die Entwicklung in der DDR ganz klar als Konterrevolution. Was für ein rasantes Leben! Ein rasantes Leben das 1991 brutal stoppte. Er schaffte es gerade noch seinen Roman „legende“ zu beenden. Am 20. Oktober 1991 starb unser Genosse Ronald Schernikau an den Folgen seiner AIDS-Erkrankung. Leider können wir nicht mehr mit Ronald eine Nacht in der Kneipe sitzen, über die Weltlage philosophieren oder sein neustes Buch lesen – aber 6. und am 23. April gibt es noch Vorstellungen im Deutschen Theater. Und seine Bücher gibt es auch immer noch!

Der Kapitalismus hatte nur eine Chance: So zu tun, als sei er keiner.

Er würde den Leuten mit dem Stundenlohn erzählen müssen,

sie seien Herren ihrer selbst.

Das hat geklappt! Herzlichen Glückwunsch!

Ronald M. Schernikau

 

Wer Ellen Schernikau, Ronalds Mutter life erleben will, der hat über Pfingsten beim Festival der Jugend der SDAJ im Kölner Jugendpark die Möglichkeit.

 

Ingeborg Lohse-Geserick

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4 comments on “„Die Schönheit von Ost-Berlin – ein Treffen mit Ronald Schernikau“
  1. Baba sagt:

    Hi, hast Du gesehen das ich meine Mailadresse in einen Kommentar geschrieben habe?

  2. Thomas sagt:

    Hab dir mail geschickt.

  3. Baba sagt:

    Gesehen. Ich schreibe Dir morgen.

  4. Baba sagt:

    Mail angekommen?

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