DKP queer erstmals auf dem »Motzstraßenfest«

Unser Infostand auf dem schwul-lesbischen Stadtfest in Berlin

Unser Infostand auf dem schwul-lesbischen Stadtfest in Berlin

Am 12. und 13. Juni fand mit über 400.000 Besuchern und Besucherinnen am Nollendorfplatz in Berlin Schöneberg das 18. lesbisch-schwule Stadtfest statt.

Einen faden Vorgeschmack bereitete uns die Tatsache, das es im vergangenem Jahr zu Übergriffen durch Rassisten mit offenbar faschistischem Hintergrund kam. GLADT und weitere Standteilnehmer thematisierten dies gegenüber dem Veranstalter „Regenbogenfonds der schwulen Wirte“. Leider gelang es diesem augenscheinlich nicht, sich deutlich dagegen zu positionieren.

In der sogenannten „Politikwelt“ in der Eisenacherstraße fand man erstmals auch einen Stand von DKP queer. Ausser uns fand man in der „Politikwelt“ alle Bundestagsparteien mit ihren queer Gruppen sowie direkt neben uns die Piratenpartei.

So politisch wie das anmuten mag, war es aber eigentlich gar nicht. Das sogenannte Motzstraßenfest kann weitestgehend als Fress- und Saufveranstaltung mit Freiluftdisco charakterisiert werden. Eine Art bürgerliches Volksfest eben, frei nach dem Motto „Wir wollen Party machen, wie die ‚Normalen‘.“ Genug Fläche also, um zu politisieren. Teilweise gelang dies auch.

Viele kamen an unseren Stand und ließen sich über unsere Arbeit aufklären. Lustig wurde es, als drei ca 10 – 12 jährige am Stand auftauchten und fragten, wie man schwul werden kann. Mit der Antwort, dass man schwul oder nicht schwul geboren wird, es aber nicht werden kann, gaben sie sich zufrieden. Ein paar Fragen kamen noch, wie man es denn merken würde ob man schwul ist wurden auch beantwortet und die drei zogen mit ein paar Aufklebern wieder weiter.

Ein Magnet waren unsere Buttons und unsere Aufkleber aber auch die Plakate „Sozialismus ist sexy“ gingen weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln.

Auch unser Infomaterial wurde gerne mitgenommen. Im Gegensatz zu den anderen Parteien, verteilten wir aber nicht wie wild in die Menge hinein, was einige Piraten stuzig machte. Wenn man sich die Straße ansah wussten wir aber warum wir es nicht taten. Vor allem lag SPD, PDL, Grüne und Piraten Material auf der Straße. Etwas weniger das Material von CDU und FDP. Wer an unseren Stand kam, und Material mitnahm, packte es bewusst ein und wir denken, so macht es mehr Sinn.

Unsere gemeinsam mit der SDAJ, KJÖ und KPÖ red:out! „Weg mit Sizzla“ Kampagne kam auch auf dem Straßenfest gut an. Mehrere Seiten wurden ausgefüllt.

Wir bedanken uns bei allen Genossinnen und Genossen die uns an diesem Wochenende tatkräftig unterstützten und sogar aus Augsburg und dem Taunus nach Berlin gekommen sind, um dort zu arbeiten. Leider waren wir noch viel zu wenige. So wurde es für DKP queer fast zum Kraftakt. Auch müssen wir unsere inhaltliche Beteiligung kritisch hinterfragen. Wir sind zuversichtlich. Beim nächsten Mal kann es nur besser werden.

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One comment on “DKP queer erstmals auf dem »Motzstraßenfest«
  1. Andreas sagt:

    Ganz so unpolitisch, insbesondere im emanzipatorischen Sinne, war das Motzstraßenfest sicher nicht.

    Insbesondere entlang der Haupteinfallsachse (vom U-Bahnhof Nollendorfplatz die Motzstraße entlang) zeigt der Stadtfest-Plan zwar nur spärlich einzelne Stände und die „AIDS-Welt“, aber hier waren die Stände der Leute, die wirkliche gesellschaftliche Sprengkraft zu bieten hatten. Da waren die „schwulen und lesbischen Lehrer/innen“, die schwulen Polizisten mitsamt GdP, die BDSM-Jugend, türkische Schwule, die Schwulen Senioren, usw., usf. Ein bunter Reigen an reichlich Nachdenkstoff für Leute, die genauer hinkucken wollten, bzw. konnten.

    Ich war sehr begeistert, denn noch vor 30 Jahren wurden in Deutschland schwule Lehrer entlassen, weil man sie den Schüler/innen „nicht zumuten konnte“, schwule Polizisten waren damals eine Beleidigung für ihre Kollegen, und ein Stand der BDSM-Jugend wäre als jugendgefährdend geschlossen worden. Und schwule Senioren waren damals bloß „alte Säcke“, die in der Szene und in der Gesellschaft ein ähnlich geringes Ansehen genossen wie türkische Schwule. Alles in allem: Eine große Vielfalt an emanzipatorischen Vereinen war präsent, und es war sicher auch wichtig, dass die nach Amüsement suchenden Gäste mal was zum Nachdenken bekommen haben.

    Dagegen hatten die Stände der Politikwelt sehr unterschiedliche Funktionen: Während es für DKP, Linkspartei und Grüne schon immer eine Herzenssache war, auf solchen Festen mitzumachen, hatten in den 90er Jahren die Queer-Verbände von SPD und FDP häufig sehr schwer, offizielle Parteiunterstützung zu gewinnen; so hatten sie oft nur notdürftige Ständchen mit wenig Material. Den Jungs und Mädels von der CDU ging es in den Nuller Jahren ähnlich. So wirken die Stände von SPD, FDP und CDU auch „zurück in ihre Parteien hinein“ emanzipatorisch — und auch, wenn man deren Ansichten nicht teilt, hat es einen sehr erfreulichen Effekt, dass selbst eine CDU sich aus Konkurrenzgründen um die Queer-Community kümmern „muss“ … Und so mancher zufällige Besucher des Straßenfestes mag sich gewundert haben, dass die CDU einen großen Stand hatte … Galt doch früher „Ich bin gegen das schwule Gesocks, ich wähl CDU“ …

    Alles in allem: Viel Musik, Kultur und Freßmeilen, aber eine Menge an Dingen, die vor 20, 30 Jahren noch als unmöglich gegolten hätten. Nein, damit ist gesellschaftliche Emanzipation noch lange nicht am Ende, aber im Moment macht es mir den Eindruck, dass es immer noch jedes Jahr ein kleines Schrittchen voran geht in diesen Dingen.

    Im Gegensatz übrigens zu anderen Gesellschaftsbereichen, wo es eher rückwärts geht, wie im Arbeits- und Sozialbereich …

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