Frauen an den Herd, Schwule zum Arzt

Flagge Montenegro, Quelle: Wikipedia

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Podgorica: widersprüchliche Studie zu Diskriminierung und LGBT-Personen.

Von Zoran Sergievski, Wien

Laut einer am Montag veröffentlichten Studie halten 60 Prozent aller Montenegriner/innen Homosexualität für eine Krankheit. 17 Prozent glauben gar, in dem Bergland gäbe es überhaupt keine Homosexuellen.

Die Intoleranz gegenüber LGBT-Personen ist laut der Studie am Land und bei Senioren sowie Personen »mit niedrigem Bildungsstand« am höchsten. Toleranter seien Frauen, »höher Gebildete« und »urbane« Personen. Mit letzterem sind vermutlich die Einwohner von Küstenorten wie Herceg Novi sowie der Hauptstadt Podgorica gemeint. Dies ist konträr zu den Balkanmetropolen Belgrad, Split und Zagreb. Dort schlägt Homophobie auch wiederholt in massive, oft von Neonazis und Hooligans ausgehende Gewalt um (siehe Artikel »Tötet die Schwuchtel!«). In Montenegro befürworten »nur« 7 Prozent physische Gewalt gegen LGBT-Personen.

Die montenegrinische Umfrage lieferte einige widersprüchliche Ergebnisse. So stoße man generell auf Ablehnung von Diskriminierung. 52 Prozent der Befragten gaben sogar an, dass Homosexuelle eine grundsätzlich benachteiligte Gruppe seien, der man zur Verwirklichung ihrer Rechte verhelfen müsse. Gleichzeitig würde aber ein gutes Drittel sofort aufhören, die einem nahestehende Partei zu wählen, würde sich diese für das Tabuthema »Homorechte« öffentlich einsetzen. Rund die Hälfte möchte nicht, dass die eigenen Kinder mit LGBT-Personen befreundet sind. Neun von zehn Studienteilnehmern/innen widerstrebt die Idee, dass solche Menschen in die eigene Familie einheiraten.

In dieses für den Balkan übliche Bild homophober Reflexe fügt sich die konservativ-reaktionäre Ansicht ein, dass Frauen in den Haushalt gehörten. Die wichtigste Aufgabe laut Befragten: »eine gute Ehefrau und Mutter sein.«

Montenegro, das seit 2006 unabhängig ist, bemüht sich (wie seine Nachbarländer Kroatien und Serbien) um ein gutes, möglichst westliches Image, um rasch in die EU und die NATO zu kommen. Studien wie diese sollen das Land als demokratischen und um die Menschenrechte bemühten Staat darstellen. Die vom Zentrum für Bürgerbildung Montenegros in Zusammenarbeit mit der LGBT-Organisation Progres durchgeführte Befragung zu LGBT und Diskriminierung erfasste 803 Personen ab 18 Jahren (In ganz Montenegro leben mit 625.266 weniger Menschen als in Frankfurt am Main, Anm. d. Red.).

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