Gegen Sexismus und Homophobie beim »Chiemsee Reggae Summer« und dem »Sunsplash Reloaded Festival«

sizzlahess2Da sich bei den Veranstaltern nichts tut und andere Organisationen letztendlich nur versuchen über die Sponsoren des „Chiemsee Reggae Summer“ (Becks und die DB) Druck aufzubauen, was denjenigen absolut egal sein dürfte, denn wenn der Umsatz stimmt (und das wird er) sind Homosexuelle zweitrangig,  sehen wir uns gezwungen noch einmal über dieses Thema zu berichten.

Wie schon in den letzten Jahren macht das „Chiemsee Reggae Summer“ Festival mit offen homophoben Künstlern auf sich aufmerksam.

2000 und 2008 Beeny Man (I‘m dreaming of a new Jamaica, come to execute all the gays“), 2007 Capleton („Fire bun batty boy!“ „Das Feuer möge den Schwulen verbrennen!“), 2000 und 2004 Buju Banton, der im Juli 2004 auf Jamaika an einem schwulenfeindlichen Übergriff persönlich beteiligt war und 2009 t.o.k.  „Sollten sie zusammen in einem Schwulen-Auto sitzen, Entfesselt das Feuer, lasst sie uns verbrennen! – verbrennt sie! – Sollten sie zusammen in einer Schwulen Bar trinken Entfesselt das Feuer – lasst sie uns fertig machen! – fertig machen.

Für das diesjährige Festival wurde Sizzla als „Top Act“ angekündigt. Sizzla hat zwar offiziell den sogenannten „Reggae Compassionate Act“ unterzeichnet, dieser sagt aus, dass sich alle Unterzeichner von homophoben Inhalten distanzieren, aber in einem Interview der Sunday Mail Simbabwe, publiziert am 28. Februar 2010, erklärte Sizzla: „I did not sign any papers, it is just an agreement I have with certain promoters – it is their system. I cannot stop singing those songs because there is a message in those songs which people should hear.“ (in etwa: „Ich habe keine Dokumente unterzeichnet, es ist lediglich eine Vereinbarung mit bestimmten Organisatoren – es ist deren System. Ich kann nicht aufhören, diese Songs zu singen, da in ihnen eine Botschaft enthalten ist, die die Leute hören sollten.)

Mit diese Songs meint Sizzla z.B. Nah Apologize  aus dem Jahr 2005. In dem Songtext, der auf der Homepage von Sizzla abgerufen werden kann, heißt es unter anderem, „Rastaman don’t apologize to no batty-boy / if yuh diss King Selassie mi gun shot yuh boy“ (in etwa: „Ein Rastaman entschuldigt sich nicht bei einer Schwuchtel, denn wenn ihr King Selassi durch den Dreck zieht, werde ich euch erschießen“).

Das zeugt von der Wirkungslosigkeit des „Reggae Compassionate Act“. Viele, die den „RCA“ unterzeichnet hatten, fielen danach immer wieder durch homophobe Äusserungen oder durch Distanzierung vom „RCA“ auf.

Die Veranstalter kommentieren die Bekanntgabe von Sizzla wie folgt: „Wir sind für Kunstfreiheit, wir sind für Meinungsfreiheit, den Respekt vor anderen Kulturkreisen und wir sind gegen verfassungswidrige Zensurbestrebungen(…)“.
Diese Aussage zeugt entweder von absoluter politischer Dummheit und der Ignoranz gegenüber menschenverachtendem Hass oder versucht bewusst Homophobie durch den Deckmantel einer falsch verstandenen Meinungsfreiheit zu schützen. Wir stellen uns die Frage, ab wann Frank Rennicke dort auftreten darf, wenn er Unterschreibt keine Neofaschistischen Lieder zu spielen.

Neben Sizzla wurde jetzt auch noch Anthony B („Zwei Millionen Rastas können nicht durch Frankreich gehen, aber zwei Millionen Schwule können es. Das ist Babylon! Wenn nur 100 Rastas auf die Strasse gehen, werden sie verprügelt. Die Schwulen gehen ungehindert denn Frankreich ist auch ein „Battyman-Country“) von den Veranstaltern eingela den.

Schon im letzten Jahr haben emanzipatorische Gruppen Süddeutschlands und Österreichs gegen einen Sizzla Auftritt protestiert. Nach diesen Reaktionen der Veranstalter dürfte klar sein, dass den letztjährigen Forderungen nicht nachgekommen wird, noch dass diese zum Nachdenken angeregt hätten.

Auch alle anderen Forderungen nach einem Konzept zur umfassenden Information im Vorfeld und für eine qualifizierte Unterstützung Betroffener sexualisierter Gewalt zu entwickeln und der Schaffung von Freiräumen für Frauen, die dringend aufgrund diverser Fälle von Vergewaltigungen und Übergriffen nötig wären, scheint bei den Veranstaltern auf taube Ohren zu stoßen.

Dieses bewusste Verschweigen und Wegschauen zeugt von demonstrativem Desinteresse und trägt zu einem Klima bei, in dem diese Übergriffe leichter möglich sind.

Dazu wollen und werden wir nicht schweigen! Wir fordern alle auf sich an den Protesten gegen Homophobie und Sexismus und den Umgang der Organisatoren des „Chiemsee Reggae Summer“ und des „Sunsplash Reloaded Festival“ damit zu beteiligen und selbst aktiv zu werden.

No Pasaran!

Unterzeichnet auch den Aufruf gegen die Auftritte hier online!

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