Kontinuität der Homophobie in der CDU

Nachdem man nach so langer Zeit von der staatlich verordneten Homophobie in der BRD endlich abkam und die Kämpfe der SLBT-Bewegung (SLBT = Schwule, Lesben, Bisexuelle, Transgeschlechtliche) um Emanzipation langsam begannen, Früchte zu tragen, gibt es heute wieder Angriffe seitens der religiösen, reaktionären oder faschistischen Rechten. So verbot der rechte Kulturstaatsminister Bernd Naumann (CDU) die Abbildung küssender Männer auf den offiziellen Einladungskarten für die Eröffnungsfeier eines Mahnmals in Berlin für die von den Nazis verfolgten Homsexuellen. Die Architekten des Mahnmals, Ingar Dragset und Michael Elmgreen, erklärten dazu, Naumanns Reaktion zeuge von mangelnder Akzeptanz Homosexueller. (junge Welt, Nr. 123, 28.05.2008, S. 4) Dies ist bei weitem nicht überraschend und mit Sicherheit dürfte Naumann in der CDU nicht allein auf weiter Flur sein. Homophobie hat in dieser rechten Partei eine lange Tradition, daran ändert auch die Etablierung der LSU (Lesbisch-Schwule Union) als queer-Sektion der Partei nichts.

Unter anderem lässt sich dies dadurch erklären, dass die Union entgegen ihrem Mythos eben nicht aus der Fusion von Zentrumspartei und evangelischen Parteien (wie z.B. den Nationalkonservativen) entstand, bzw. entgegen der Mär, dass es die gemeinsame politische Organisation katholischer und evangelischer Christen sei, sondern zu einem nicht unerheblichen Teil aus ehemaligen NSDAP-Mitgliedern und anderen Funktionären im Dritten Reich gebildet wurde.

Zwar verweisen CDU-Mitglieder, wenn man sie damit konfrontiert, immer auf Adenauer, der ja bekanntlich wegen seiner Haltung gegen das Nazi-Regime seines Amtes als Bürgermeister von Köln enthoben wurde. Das hat ihn aber nicht davon abgehalten, nach dem Krieg die alten Eliten des Dritten Reiches wieder in Amt und Würden zu setzen, was zu der Situation führte, dass über Widerständler und Deserteure im Dritten Reich dieselben Nazi-Richter in der BRD urteilten, die sie zuvor in die KZs gesteckt hatten. Dieselben Richter waren auch für das FDJ-West- und das KPD-Verbot verantwortlich, während die neofaschistische NPD unbehelligt blieb.

Schwulen KZ-Opfern verweigerte man Schadensersatzansprüche und sie durften sich in der frühen BRD derselben Verfolgung ausgesetzt sehen, wie im Dritten Reich, da die rechte Regierung beschlossen hatte, den § 175a, also den durch die Nazis verschärften § 175 des Kaiserreichs, als gültiges Recht in der BRD zu bestätigen.

Während in der DDR der entsprechende Paragraph bereits 1957 faktisch außer Kraft gesetzt und 1989 komplett beseitigt wurde, blieb eine leicht abgeschwächte Version des homophoben Paragraphen in der alten BRD bis 1993 bestehen. Auch diese Kontinuität ist weitestgehend der Regierung der CDU anzurechnen.

Und was ist heute? Heute unterstützt eine CDU-Bundesfamilienministerin ein fundamentalistisches Treffen mit homophobem Anstrich (Christival) und ein Kulturstaatsminister moniert küssende Männer auf einer Einladung für die Einweihung eines Mahnmals, das Homosexuellen gewidmet ist. Was lernen wir daraus? Die CDU hat sich seit damals nur dahingehend geändert, dass immer mehr Wirtschaftsliberale Mitglieder wurden, die Partei ist weiterhin ein Sammelbecken für Reaktionäre, Fundamentalisten und Faschisten und daran wird sich sobald auch nichts ändern.

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