Homophobie ist Konterrevolutionär!*

*“Homophobie ist gegen die Prinzipien der Revolution“ so der Genosse Dr. Alberto Roque Guerra, Mitarbeiter des kubanischen Nationalzentrums für sexuelle Aufklärung (CENESEX).

„Omsk gegen Schwule“ Eine unglaubliche KPRF Aktion

Was würde die Genossin Volkskommissarin Aleksandra Michailowna Kollontai heute zur KPRF und ihrer homophoben Politik sagen? Entsetzt würde sie betrachten, was ein gewisser Aleksej Baikow, Leiter der Jugendabteilung und Kandidat zum Omsker Stadtsowjet verbreitet hat.

Auf der Homepage der KPRF Omsk wurde dazu aufgerufen die Stadt von Homosexuellen zu säubern. Dazu hat Baikow im Netz auch die Gruppe „Omsk ohne Homosexuelle“ geschaffen. Der menschenverachtende Gründungsaufruf kann auf Deutsch bei DKP queer erfragt werden. Baikow erklärte an anderer Stelle: „Die Jugendabteilung der KPRF hat bereits im Sommer geplant das Problem mit den Gays zu lösen. Dazu bewegt hatte uns die Tendenz in anderen Regionen, wo Menschen mit nichttraditioneller sexueller Orientierung auf die Straße gehen und öffentlich ihre „Leidenschaft“ demonstrieren. Wir wollen derartiges in Omsk nicht“.

Die Kollontai wurde noch vor der Oktoberrevolution in das Exekutivkomitee des Petrograder Sowjets gewählt. Im Juli 1917 wurde sie durch den Ministerpräsidenten der provisorischen Regierung Kerenskij, des Landesverrats bezichtigt und verhaftet. Nach dem Sieg der großen sozialistischen Oktoberrevolution war sie als Volkskommissarin für Volkswohlfahrt tätig und damit die erste Ministerin der Welt. Kollontai, alleinerziehende Mutter und Volkskommissarin für soziale Fürsorge setzte durch, dass das Eherecht gelockert und der Mutterschutz verbessert wurde. Sie erkämpfte das Recht auf Schwangerschaftsabbruch und die legalisierung der Homosexualität in Sowjetrussland denn sie verfocht das Prinzip der „freien Liebe und freier Sexualität“. Sie schlug Volksküchen und eine kollektive Kindererziehung vor. Dazu propagierte sie die sogenannten Kommunehäuser. Leider wurden die herausragenden Leistungen der Kollontai 1934 wieder gekippt. Und da die KPRF noch immer von einer starken Stalin-Nostalgie geprägt ist, da unter Stalin die Sowjetunion vom internationalen Spielball zur Supermacht geworden war,

Auch die orthodoxen Kirchen haben inzwischen deutlichen Einfluss auf die Partei, sogar bis in die Führungsebene hinein, bekennen sich große Teile der KPRF Mitglieder zur orthodoxen Kirche. Das übergeordnete Moment für die Werte bleibt allerdings der russische Nationalismus. Die orthodoxe Kirche wird als das integrierende Moment der russischen Nation gesehen.

Denn auf die Phase der Unterdrückung der Kirche nach der Revolution als Teil der zaristischen Herrschaftsordnung folgte die Rolle der orthodoxen Kirche im großen vaterländischen Krieg als progressives Element.

DKP queer hatte sich zu seinem 17. Bundestreffen im Dezember 2010 den Sowjetunion/Russland Experten Willi Gerns (Bremen) als Referenten zum Thema eingeladen. Er berichtete u.A., dass in den 1960er Jahren der Kirchgang besonders unter den Älteren, teils in Begleitung der Enkel, weit verbreitet und “Gang und Gäbe” war. Die KPRF gründete sich 1990 weitgehend aus Mitgliedern der ehemaligen KPdSU welche gegen die Linie des Konterrevolutionärs Gorbatschow waren. Nach einem gescheiterten Versuch die Macht wieder in die Hände des werktätigen Volkes zu legen, verbot Jelzin 1991 sowohl die KPRF als auch die KPdSU. 1993 erfolgte die Neugründung. Die Partei versteht sich als Rechtsnachfolger der KPdSU, und seitdem ist Sjuganow auch Vorsitzender der KPRF. Ziel ist die friedliche Übernahme der Macht und Verstaatlichung der Schlüsselindustrien. Mit “klassenneutraler Ideologie” und “Staatspatriotismus” gepaart mit Orthodoxie wächst die Partei bis 1998 auf 547.000 Mitglieder an und bekommt 24,3% der Stimmen bei den Duma- Wahlen im Jahre 1999. Bei der Präsidentschaftswahl gegen Jelzin im Jahr 1996 erhält Sjuganow 32%, und im Jahr 2000 gegen Putin 29,5% der Stimmen. Ab 2000 erfolgt im Machtkampf ein großer Wandel. Putin übernimmt als Ideologie die “klassenneutrale Ideologie” und den “Staatspatriotismus”, dies führt zum Abstieg der KPRF. 2012 hat sich die Partei bei ca. 156.000 Mitgliedern wieder gefestigt. Bei den Dumawahlen 2007 verlor die KPRF deutlich an Wählerstimmen zugunsten von Putins „Einiges Russland“ und brachte es auf nur noch 11,3 % der Stimmen. Vier Jahre später, bei den Dumawahlen 2011 konnte die KPRF ihren Stimmenanteil allerdings auf 19,2 % verbessern.

Es ist für uns ein unerträglicher Zusatand, wie sich eine Kommunistische Partei gegenüber Homosexuellen verhält! In unseren Forderungen schreiben wir: „Für uns sind solche Erscheinungen, wie die Homophobie, dem Rassismus und Sexismus wesensgleich und werden von uns bekämpft. (…) Die Durchsetzung der elementaren Menschenrechte für alle ist nur in einer Gesellschaft zu verwirklichen, die auf dem Gemeineigentum an Produktionsmitteln beruht und in der Demokratie mit der politischen Macht des arbeitenden Volkes verwirklicht wird. Diese Gesellschaft ist der Sozialismus als erste Phase des Kommunismus. Nur der revolutionäre Bruch mit den kapitalistischen Macht- und Eigentumsverhältnissen beseitigt letztendlich die Ursachen von Ausbeutung und Entfremdung, Krieg, Verelendung und Zerstörung unserer Umwelt. Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer Sexualität oder Lebensweise hat Sündenbock- und Ablenkungsfunktion. Dies dient den Herrschenden als Mittel zur Spaltung und damit der Stabilisierung ihrer Macht. Daher sehen wir unsere Aufgabe im Moment hauptsächlich darin, uns einzumischen und auf uns aufmerksam zu machen. Wir sehen es als unsere Pflicht, das Bewusstsein zu formen. Als Kommission des Parteivorstands wirken wir in die Partei, die kommunistische Weltbewegung als auch in andere fortschrittliche Bewegungen hinein – sowohl mit unseren Texten, als auch mit unserem Auftreten.“

Unser Auftreten gegenüber der KPRF muss folgerichtig heissen „Zurück zu den Positionen der Kollontai“

Die „Hexenjagd“ beginnt!

Der Moskauer Lehrer und Familienvater Ilja Kolmanowski hatte am Freitag an den Protesten vor der russischen Duma teilgenommen. Während ein Großteil der Demonstranten von der abgeführt wurde, blieb er allerdings unbehelligt. „Ich sagte, dass alle Forschungen zeigen, dass Homosexuelle psychisch normale Menschen sind und die weltweite Wissenschaftler-Gemeinschaft seit langem widerlegt hat, dass es eine Krankheit sei“, so der Lehrer in einem Gastbeitrag für svoboda.org. „Ich habe gesagt, dass ich als Vater und Lehrer eine Gefahr darin sehe, dass unsere Gesellschaft homosexuelle Jugendliche in den Untergrund treibt – das endet häufig mit Selbstmord. Und ich habe auch gesagt, dass das Gesetz darauf abzielt, unter den Menschen Feindschaft zu sähen und unsere ohnehin bereits kaputte Gesellschaft zu spalten.“ Ilja Kolmanowski hatte bei der Diskussion, die später unter anderem als Video verbreitet wurde, seinen Beruf und Namen genannt. In den folgenden Tagen gingen mehrere Briefe bei der Schulleitung ein, in denen sich angebliche Eltern von Schülern beschwerten, Ilja K. hätte sich öffentlich als Schwuler geoutet, und deshalb seine Kündigung forderten. Am Montag gab das Direktorium dem Druck nach und entließ den Lehrer, der 18 Jahre lang unterrichtet hatte, die letzten sieben Jahre an diesem Gymnasium. (Quelle queer.de)

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