Der religiösen Rechten den Kampf ansagen

Über die Organisation Exodus, ihre christlich-fundamentalistischen Untriebe und ihre Expansionsbestrebungen in Europa

In der Frauenzeitschrift „Maxi“ vom Oktober 2006 fand ich einen Artikel über die christlich-fundamentalistische Gruppe „Exodus“, die sich auf die Fahnen schreibt, angeblich Homosexualität „heilen zu können“. Der Artikel trug die Überschrift „Du sollst nicht schwul sein!“

Exodus gründete sich 1976 in den USA, seinerzeit galt Homosexualität dort noch als psychische Erkrankung. Heute arbeiten sage und schreibe 135 Pfarrämter allein in den USA und 20 weitere in Asien, Schweden und Großbritannien mit den Fundamentalisten zusammen. Vernetzt sind sie in den Staaten durch 130 Kirchen, die „Heilung von Homosexualität“ durch Gebete und Beratung versprechen. Homosexualität sei eine Sünde und gleichzusetzen mit Mord, Neid und Habsucht, wird von der Gruppe behauptet und dass der/die Homosexuelle sich beim eigenen Geschlecht die Bestätigung sucht, die er/sie zuvor nicht gefunden habe (z.B. wegen eines fehlenden Elternteils). Dass die medizinische Forschung diese Behauptungen längst widerlegt hat und dass es genug Beispiele von Kindern gibt, die entweder nur mit EINEM Elternteil oder sogar in homosexuellen Partnerschaften aufwuchsen ohne selbst homosexuell zu werden, kann man Leuten schwer begreiflich machen, die mehrheitlich die Evolutionstheorie ablehnen und stattdessen die Schöpfungsgeschichte im Bio-Unterricht dargestellt haben wollen.

Homosexuelle seien stärker Selbstmordgefährdet, das ist kaum verwunderlich in einer Gesellschaft, die einem mit unverhohlenem Hass und Intoleranz begegnet. Dennoch: Die Ursache wird allein in der verwerflichen Homosexualität selbst gesucht!
Homosexualität wird als Ersatz für „wahre Liebe und Akzeptanz“ betrachtet. Man paukt so widersinnige Binsenweisheiten, wie „Das, was uns am meisten widerstrebt, ist oft das beste für uns.“, betet, schreit sich ein „Amen“ oder „Halleluja“ von der Seele und versucht sich einzureden, sich selbst verleugnen zu können. Es sei „Gottes Wille“ redet man sich ein um sich nicht eingestehen zu müssen, dass es die Gesellschaft ist, die einen in die Knie zwingt.
Brutal wird’s dann bei den hoffnungslosen Fällen, also bei denjenigen, die nicht durch Gebete und Hardcore-Halleluja dazu bewegt werden konnten, sich selbst zu verleugnen.

Unter „Love in action“ findet eine mehrwöchige Extrem-Therapie statt, in der Homosexuelle wie Suchtkranke behandelt werden. Die „Therapeuten“ bestimmen, mit wem der „Patient“ Kontakt hat, wie er sich kleiden soll oder wie lange er im Badezimmer verweilen darf, kurz, es werden typisch männlich/weibliche Heteroklisches indoktriniert und das keineswegs streng sondern stets im freundlichen Joseph-Mengele-Ton und mit einem Lächeln.

Seit 2005 versucht die Gruppe auch in Deutschland fuß zu fassen. Einmal im Jahr wird ein Pfarrer aus den USA entsandt, um hier Seminare abzuhalten. Auf dem Territorium der BRD finden also Seminare einer Gruppierung statt, die Praktiken zur Umprogrammierung der Persönlichkeit anwendet, die eindeutig gegen Artikel 1 des Grundgesetzes verstoßen, denn es findet ein Angriff auf die Menschenwürde des Homosexuellen statt, der in seiner Person als Homosexueller geschädigt werden soll!

Es ist untragbar, dass eine solche Gruppe sich hier breitmacht! Es ist aber ebenso auszuschließen, dass der LSVD sich mit den Untrieben der Gruppe befassen wird. Daher, denke ich, ist es vor allem unsere Aufgabe als Kommunisten und Sozialisten, dem entgegenzuwirken.
Wenn die religiöse Rechte auf den CSDs immer präsenter wird, dann könnten wir z.B. als Gegenzug dort, wo sie ihre verwerfliche Ideologie streuen wollen (Seminare etc.) präsent sein und Aufklärung betreiben. Man muss ihren fehlgeleiteten Opfern klarmachen, dass sie sich nicht ändern müssen, nur weil ihre homophobe Umgebung das so möchte, sondern, dass sie vielmehr zu sich selbst stehen sollten und ihre Umgebung ändern! „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Welt, die ihn umgibt!“

Und allen Christen sei gesagt: In KEINEM Evangelium findet Ihr eindeutige antihomosexuelle Standpunkte Christi! Die religiöse Rechte bezieht sich hauptsächlich auf mosaisches Gesetz und auf Apostelbriefe (die sich dort ebenfalls auf das Alte Testament beziehen)!

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