Kuba ist auf einem guten Weg

Mariela Castro lädt DKP queer in die kubanische Botschaft ein

Delegation von DKP queer in Kubas Bonner Botschaft

Am Montag, dem 2. August, trafen sich Vertreter von DKP queer auf Einladung von Mariela Castro Espin mit Vertretern von CENESEX in den Räumen der Außenstelle Bonn der Botschaft der Republik Kuba.

Es war ein Treffen unter Freunden und fand in einem offenen und sehr informativen Rahmen statt. Günter Pohl (Internationale Kommission der DKP) und eine kubanische Fremdsprachenkorrespondentin übersetzten.

Empfangen wurden wir von José Carlos Rodriguez Ruiz, dem Leiter der Außenstelle Bonn der kubanischen Botschaft, der ebenfalls an dem Gespräch teilnahm, wie auch Dr. Alberto Roque Guerra (CENESEX), Marcel de Jong (DKP queer) und Sascha Fotiadis (DKP queer). Offenbar war DKP queer die erste Gruppe, die zum Gespräch eingeladen worden war.

Zuerst wollte Genossin Mariela mehr über die Geschichte von DKP queer wissen und bekam darüber von Sascha Auskunft; dabei schilderte dieser den Werdegang und die Entstehungsgeschichte, während Marcel über die Diskussionen in der DKP berichtete. Letzteres fand Mariela sehr inspirierend, da es ähnliche Diskussionen zwischen CENESEX und der PCC (Partito Communista de Cuba) gibt. Alberto wollte wissen, mit welchen Argumenten wir in die Diskussion gingen. Sascha führte einige Schriften von Clara Zetkin und Aleksandra Kollontai an, aber schon Karl Marx hat ja geschrieben, dass es gelte, den Menschen aus allem zu befreien, wo er ein geknechtetes Wesen sei und laut Herbert Marcuse gelte das eben auch für sexuelle Unterdrückung durch die Gesellschaft. Insofern sei unser Anliegen geradezu der Inbegriff von Marxismus.
Mariela berichtete, dass geplant sei, noch vor dem nächsten Parteitag der PCC einen Antrag zu formulieren, die Statuten der Partei um einen Verweis auf die Gleichstellung aller Lebens- und Liebensarten zu erweitern.

Alberto erwähnte, es könne durchaus vorkommen, dass Homosexuelle noch immer nicht in die PCC aufgenommen würden, wenn sie denn vorher geoutet seien. Deshalb sei auch die Statutenänderung von entsprechender Bedeutung.
Bei allen geouteten Homosexuellen kommt es allerdings nicht vor, dass sie nicht in die PCC aufgenommen werden, denn Alberto selbst hatte sich bereits im kommunistischen Jugendverband (UJC) geoutet und war danach erst in die PCC eingetreten.

Sascha merkte an, dass es in vielen kommunistischen Parteien weltweit inzwischen Queer-Gruppen gibt oder solche im entstehen sind, dass es aber leider immer noch Parteien gebe, die einen entgegengesetzten Kurs führen, wie z.B. die KPRF in der Russischen Föderation.

Ein weiterer Punkt war, dass die kubanischen Genossinnen und Genossen mehr über die Strukturen der DKP und die derzeitige politische Situation in der BRD wissen wollten. Günter Pohl berichtete über die Entwicklung der BRD seit der Konterrevolution in den sozialistischen Staaten Europas seit 1989, vor allem im Hinblick auf die Geschichte der DKP und den Werdegang der SED als Klassenpartei zur PDL als neue sozialdemokratische Partei in der BRD.

Ein weiteres Thema des Gespräches bildete die politische Verfolgung in der BRD. Günter berichtete von der Behauptung Volker Becks (B´90/GRÜNE, LSVD), die Genossen der KPD, die durch das Verbot der Partei Schaden erlitten haben, seien inzwischen entschädigt worden, was eine glatte Lüge ist; gleiches gilt für die Opfer von Berufsverboten. Mariela fand es sehr interessant, dass in einem Land, in dem angeblich die persönlichen Freiheitsrechte garantiert sind, Kommunisten verfolgt wurden und weiterhin nicht im Staatsdienst tätig sein dürfen.

Sascha kam auf das „Spiegel“-Interview mit Mariela zu sprechen und bemerkte, dass der Propagandist, der Mariela interviewt hatte, völlig falsche Tatsachen vorangestellt hatte. Dessen Behauptung, in vielen kapitalistischen Staaten seien gewisse Standards an rechtlicher Gleichstellung Homosexueller längst erreicht, ist an den Haaren herbeigezogen, gerade im Hinblick auf die ehemals sozialistischen Staaten Osteuropas oder den kubanischen Nachbarstaat Jamaika. Im Gegenteil: Gerade dort, wo reaktionäre und faschistische Kräfte wieder an die Macht gelangt sind, scheint ein Roll-Back in Sachen Rechte für alternative Lebens- und Liebensweisen stattzufinden.

Über Jamaika wusste Mariela von einem Fall zu berichten, wo ein Homosexueller nur knapp einem Lynchmord entgehen konnte und wo die umherstehenden Menschen noch applaudiert hatten. So etwas sei auf Kuba unvorstellbar. Man habe ihr einmal gesagt, der kubanische Machismo und die Ächtung gerade der schwulen Männer in der Vergangenheit aufgrund ihrer „Unmännlichkeit“ sei Teil des Erbes der spanischen Eroberer. Aber, so habe sie dann zurückgefragt, was sei denn dann mit Jamaika? Oder mit den Vereinigten Staaten, fügte Sascha an.

Beide waren sich einig, dass es vor allem religiöser Fundamentalismus – hier speziell christlicher – ist, der elementaren Grundrechten der Persönlichkeitsentfaltung im Wege steht.

CENESEX und DKP queer wollen künftig die Zusammenarbeit intensivieren. Ein erster Schritt ist der Austausch von Materialien und CENESEX würde es gerne sehen, wenn DKP queer eine Delegation zum „IDAHo“ (International day against homophobia), der um den 18. Mai 2011 herum in Havanna stattfindet, schicken könnte. Es wird versucht, DKP queer-Genossinnen und Genossen als Teil einer DKP-Delegation nach Havanna zu schicken.

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