»Lebensschützer«

Kontra - Jugendzeitung der SDAJ Bayern

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Verrückte Menschen mit Holzkreuzen. Doch was steckt dahiner?

Was am 30.10.2010 durch die Straßen Münchens demonstrierte mag für den unwissenden Beobachter zunächst ein wenig seltsam angemutet haben: hunderte Menschen, die, bepackt mit einem weißen Holzkreuz betend durch München ziehen, bekommt man schließlich nicht alle Tage zu sehen. Daneben einige Gegendemonstranten, welche mit Kondomen bepackt versuchten, auf die Unsinnigkeit ebendiesen seltsamen Zuges aufmerksam zu machen. Was aber war Hintergrund der ganzen Veranstaltung?

Bei den Leuten mit den weißen Kreuzen handelte es sich hauptsächlich um selbsternannte „Lebensschützer“, fundamentalistische Christen, welche es sich zum Ziel gemacht haben, der angeblichen „Flut der Abtreibungstoten“ ein Ende zu bereiten. Die Vereinigung der Lebensschützer geht hierbei gezielt gegen Ärzte, Kliniken und unabhängige Beratungsstellen vor. Mit dem sog. „1000-Kreuze-Marsch“ wollten sie betend und Holzkreuze schwingend gegen das Recht auf Abtreibung in Deutschland demonstrieren.

Die Lebensschützer sind ein Teil eines weltweiten Netzwerks aus Abtreibungsgegnern, meist aus dem konservativen, christlichen Spektrum. Sowohl einschlägige Parteien wie die NPD oder CSU, als auch Ärztevereinigungen zählen zu ihren Unterstützern (z.B. Europäische Ärzteaktion in deutschsprachigen Ländern e.V.).

Sie verstehen es als Teil ihrer Arbeit, Frauen mithilfe sog. „Gehsteigbetreuer“ vor Abtreibungkliniken abzufangen und sie, beispielsweise mit Anreden wie „Mörderin!“ oder den Bildern von neugeborenen Babys davon abzuhalten, ihr Kind abtreiben zu lassen. Dass sie hiermit Frauen, welche soeben die vielleicht schwerste Entscheidung ihres Lebens getroffen haben, zusätzlich unter Druck setzen, ist den „Lebensschützern“ meist ziemlich egal.

Mit dem sog. „1000 Kreuze-Marsch“ wollten sie betend und Holzkreuze schwingend gegen das Recht auf Abtreibung in Deutschland demonstrieren. Mit unter die Demonstration hatten sich auch einige Nazis gemischt, die sich entschlossen hatten, die Demonstration zu unterstützen. Auf der Seite der Gegendemonstranten befand sich neben anderen emanzipatorischen und antisexistischen Gruppen natürlich die SDAJ. Sie versuchten darauf aufmerksam zu machen, dass die angeblichen „Lebensschützer“ letztendlich versuchen, den Frauen ihr Selbstbestimmungsrecht und das Recht, frei und selbst über ihren Körper zu entscheiden, zu verwehren.

Sie als fundamentalistische Christen behaupten, dass Sexualität allein der Fortpflanzung diene. Durch Verteufelung von Verhütungsmitteln soll der Frau verboten werden ihren eigenen Körper zu erforschen, ihre eigene Lust und ihre eigenen Bedürfnisse zu artikulieren, wo doch eigentlich jedem vernünftigen Menschen klar sein sollte, dass dieses Stadium der Geschichte zum Glück der Vergangenheit angehört. Denn wirklich jeder Mensch hat in der heutigen Zeit das absolute Recht seine Sexualität auszuleben und frei über seinen Körper und was mit diesem geschieht zu bestimmen. Und wenn am 21. Mai der nächste 1000-Kreuze-Marsch in München stattfindet, wird die SDAJ auf jeden Fall wieder dagegen protestieren und dafür kämpfen, dass das Frauenbild, welchen die „Lebensschützer“ vermitteln wollen, irgendwann endgültig der Vergangenheit angehören wird.

Diesen Artikel haben wir dem Magazin der SDAJ Bayern, der „Kontra“ Ausgabe 2/2011 entnommen

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