Erste Regenbogenflaggen auf der LL-Demo

Am Sonntag, den 14.01.2007, zogen rund 60.000 Menschen (Berliner Zeitung und Westfälische Rundschau) im Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht durch Berlin. Nicht wenige gedachten dabei auch des Genossen Lenin.

Es war ein bewegender Moment, als diese vielen zehntausend Menschen rote Nelken an dem Gedenkstein der Sozialisten niederlegten. Lediglich zwei Schatten gab es an diesem auch vom Wetter begünstigten Tag. Der eine war der sogenannte „Gedenkstein für die Opfer des Stalinismus“, der durch diese Verallgemeinerung auch Faschisten ehrt (junge Welt) und damit die Stätte entweiht. Egon Krenz, der ebenfalls auf der Kundgebung zugegen war, zeigte sich „bewegt, dass der Stein spaltet“. Bei allen Bedenken, an wen hier tatsächlich erinnert werde – die Opfer des Stalinismus müssen geehrt werden, meint Krenz. (Neues Deutschland)

Der andere Schatten bestand in dem Versuch eines Attentates auf den Demonstrationszug, der nach Vermutungen der Veranstalter auf neofaschistische Kreise aus Berlin-Lichtenberg zurückzuführen sei. Ein Sprengsatz detonierte an einer Überführung. Es kam glücklicherweise niemand dabei zu Schaden aber der Demozug musste daran vorbeigeleitet werden. (Berliner Zeitung).

Neu auf der Demo war die Teilnahme einer linken SLBT-Gruppe. DKP queer nahm als einzige solche Gruppe daran teil. Dies ist ein Erfolg fü r uns und die DKP. Ein junger Mann, der bisweilen bei der DKP SLBT-politische Positionen vermisste, fand so den Weg zu uns und vielleicht auch zur Partei, er wird beim nächsten Bundestreffen, welches Anfang April in Hamburg stattfindet mit dabei sein. Die Bedeutung von DKP queer für die Partei ist unbestritten, denn so zeigt sie sich auch offen gegenüber Schwulen, Lesben, Transgeschlechtlichen und Bisexuellen. Auf der anderen Seite wurde die Bedeutung von DKP queer für alle linken SLBT deutlich, denn bisweilen scheinen wir auf diesem Terrain die Aktivsten zu sein und sind somit auch für Linke außerhalb von DKP und SDAJ attraktiv.

Wir blicken gespannt, aber zuversichtlich in die Zukunft. Fest steht, dass man sich an den Anblick von Regenbogenflaggen im Meer aus roten Fahnen gewöhnen wird, ebenso, wie an Cuba-, Venezuela- und Euskadiflaggen. Auf der anderen Seite wird sich die SLBT-Community an kommunistische Stände auf den CSDs gewöhnen.

Ergänzung:

Der frühere SED-Generalsekretär Egon Krenz hat einem Bericht der Tageszeitung „Neues Deutschland“ widersprochen, wonach er sich am Rande der Luxemburg-Liebknecht-Ehrung am vergangenen Sonntag für den mit Unterstützung der Linkspartei.PDS errichteten Gedenkstation „Für die Opfer des Stalinismus“ in der Gedenkstätte der Sozialisten ausgesprochen habe. Das inoffizielle PDS-Zentralorgan hatte Krenz mit den Worten zitiert „Bei allen Bedenken, an wen hier tatsächlich erinnert werde – die Opfer des Stalinismus müssen geehrt werden“.

In einem Leserbrief, den die Zeitung heute veröffentlicht, schreibt Krenz: „Ich bin betroffen, wie meine Antwort auf die Frage eures Mitarbeiters interpretiert wird. Gesagt habe ich: Mich bewegt, dass der Stein spaltet. Sowohl die Lebenden und leider nachträglich auch noch die Toten. Dazu ein beispiel: Der Mörder von Rosa Luxemburg wurde 1945 von sowjetischen Sicherheitskräften inhaftiert. Ein Opfer des Stalinismus? Wohl kaum. Der Begriff Stalinismus ist besetzt. Auch von Leuten, die Sozialismus und Faschismus auf eine Stufe stellen. Mit denen habe ich nichts gemein. Andererseits müssen Genossen, die stalinschen Repressalien zum Opfer fielen, geehrt werden. Dazu gibt es andere Möglichkeiten. Mein Freund Werner Eberlein, der wenige Meter von hier seine letzte Ruhestätte hat, war in sibirischer Verbannung. Sein Vater ist in der Sowjetunion ums Leben gekommen. Werner würde sich im Grabe umdrehen, wenn seiner und seines Vaters unter einem antikommunistischen Begriff zusammen mit Leuten gedacht werden würde, die zeitlebens ihre politischen Feinde waren.“

Quelle:
RedGlobe vom 16.1.07

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