Loveparade – ein Kommentar

lpDie Veranstalter der Love Parade und die Stadt Duisburg erhielten vorab jede Menge Warnungen. Die Antwort war: Aufhebung von Beschränkungen

Offenbar war die Stadt Duisburg bereit, Rechtsvorschriften zu umgehen, mit falschen Zahlen zu operieren und jede Warnung von Experten in den Wind zu schlagen, um die Love Parade am Samstag stattfinden zu lassen. Während und nach der Massenpanik am Eingang zum Festgelände starben am Samstag 18 Menschen, über 500 wurden zum Teil schwer verletzt, zwei der Schwerverletzten erlagen im Krankenhaus an ihren Verletzungen. Zahlreiche Medien berichteten am Montag von Vorabwarnungen wegen der völlig unzureichenden Bedingungen für eine Veranstaltung mit bis zu 1,5 Millionen Teilnehmern. Zugleich wurde bekannt, daß die Antwort der Stadt u.a. darin bestand, bau- und sicherheitsrechtliche Beschränkungen für das Spektakel aufzuheben. Der alte Güterbahnhof in Duisburg, auf dem sich schätzungsweise eine Million Menschen bewegt hatten, war als Partygelände für maximal 250.000 Menschen geeignet. Der Eingangstunnel glich angesichts der zu erwartenden Menschenmassen einem Nadelöhr.

Es war ein Verbrechen – verursacht aus Geltungssucht und Profitgier, wie ein Manager der Großveranstaltungsbranche der Süddeutschen Zeitung richtig sagte – und es sieht nicht so aus, daß es als solches untersucht wird. Da ignorierten die Verantwortlichen zwar Warnungen, jonglierten mit falschen Zahlen – etwa bei der Bestimmung der Teilnehmerkapazität des Geländes –, und änderten Bau- und Sicherheitsvorschriften, bis alles passend gemacht war. So sollen sich Lopavent-Vertreter gegen die Vorschrift, bei 220.000 Besuchern 440 Meter Fluchtwege nachweisen zu müssen gewehrt haben. Sie sollen darauf bestanden haben, dass 155 Meter Fluchtweg als ausreichend akzeptiert werden müssen. Ordnungsdezernent Wolfgang Rabe soll danach im Namen des Oberbürgermeisters Druck ausgeübt haben – Sauerland wünsche die Veranstaltung; folglich müsse eine Lösung gefunden werden. Rabe forderte demnach das Bauordnungsamt, das normalerweise nur Kontrollfunktion hat, auf, „an dem Rettungswegekonzept konstruktiv mitzuarbeiten“. Die Anforderungen der Bauordnung, dass der Veranstalter ein taugliches Konzept vorlegen müsse, hat er offensichtlich nicht gelten lassen.

Eine Love Parade war längst eine staatstragende Angelegenheit à la „Sommermärchen“. Hauptsache, es bleibt ruhig im Land. „Brot und Spiele“, wie seit mehr als 2000 Jahren. Ob nun der Oberbürgermeister einer 500.000-Einwohner-Stadt mit Schulden in Höhe von 1,6 Milliarden Euro und einer offiziellen Erwerbslosenquote von über 13 Prozent allein auf die Idee gekommen ist, sich so etwas in die Stadt zu holen, ist dabei unwesentlich. Er und seine Stadtoberen hatten Größeres im Auge.

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