Neues aus der Bayernkaserne

Bild: Walter Listl

Circa 150 überwiegend Jugendliche und junge Erwachsene, darunter viele Flüchtlinge und Aktivisten aus antirassistischen sowie internationalistischen Strukturen demonstrierten am Mittwoch, dem 23.Mai in München vor dem bayerischen Sozialministerium gegen die menschenverachtende Unterbringung und Behandlung von Flüchtlingen.

Mathias Weinzierl vom bayerischen Flüchtlingsrat kritisierte das bayerische Sozialministerium und Ministerin Hadertauer, dass viele der unbetreuten Kinder und Jugendlichen, die aus ihren Heimatländern fliehen mussten (darunter viele aus Afghanistan), in Containern untergebracht werden. Er forderte die Einhaltung der UN-Kinderrechtskonvention, die  Aufhebung der Residenzpflicht und des Arbeitsverbotes für erwachsene Flüchtlinge.

Im bayerischen Sozialministerium wurden von einer Delegation der Demonstrierenden Fotos von der nach wie vor katastrophalen Unterbringung der Flüchtlinge in der Bayernkaserne übergeben.

Nach wie vor fordern die Jugendlichen jetzt auch in einem Flugblatt:

Jugendgerechte Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen
Jugendhilfe ab dem ersten Tag für junge Flüchtlinge
Einen Ort der Sicherheit und Ruhe- Flüchtlingslager wie in der Bayernkaserne sind abzuschaffen
Psychologische Betreuung und ausreiche Therapieplätze
Deutschkurse, Schulplätze und gleiches Bildungs- und Arbeitsrecht für alle.

Eine Abschlussdemonstration der bayernweiten Kampagne ist am kommenden Samstag, dem 26.Mai um 13:30 Uhr am Sendlinger Tor Platz in München.

Bereits Anfang diesen Jahres sahen sich Jugendliche aus der Bayernkaserne gezwungen, mit einem sehr drastischen Mittel auf ihre katastrophale Lage aufmerksam zu machen. Rund sechzig Jugendliche traten in einen zweiwöchigen Hungerstreik (DKP queer berichtete).

Trotz geringfügiger Verbesserungen wurde an der grundsätzlichen Problematik jedoch nichts geändert:

Während in anderen Bundesländern auch über 15-jährige jugendliche Flüchtlinge in Jugendwohnungen und Clearingstellen untergebracht werden, müssen sie in Bayern in Flüchtlingslagern leben. (Wen wundert sowas, bei einer CSU geführten Landesregierung?)

Eigentlich müssen die Jugendlichen sofort in eine Jugendhilfeeinrichtung kommen, stattdessen warten sie oft monatelang, manche seit über einem Jahr, auf einen Platz. Besonders problematisch ist es, wenn die Jugendlichen währenddessen 18 Jahre alt werden, dann droht die Verlegung in ein Flüchtlingslager für Erwachsene.

Zusätzlich zu den traumatischen Ereignissen, die zur Flucht aus dem Herkunftsland geführt haben, haben die Jugendlichen auch auf dem Weg nach Deutschland Schreckliches erlebt. Viele waren jahrelang obdachlos in Griechenland, wurden in Ungarn inhaftiert oder waren rassistischen Angriffen ausgesetzt.

Sie haben eine gefährliche Reise zu Fuß, versteckt in LKWs oder mit kleinen Booten hinter sich. Sie vermissen ihre Familie und haben Heimweh.

Wenn sie ankommen, hoffen sie endlich einen Ort der Sicherheit und Ruhe gefunden zu haben.

Stattdessen erwartet sie in Bayern eine menschenunwürdige Unterbringung in Flüchtlingslagern. Diese sind überfüllt, oftmals abgelegen und teils in katastrophalem Zustand – wie zum Beispiel die Bayernkaserne in München, eine Erstaufnahmeeinrichtung, in der vor allem unbegleitete minderjährige Flüchtlinge leben.

Sicherheit und Ruhe gibt es hier nicht. Es herrscht Lärm und Enge, 50 Personen teilen sich eine Küche und ein Bad. Vier Jugendliche oder bis zu acht Erwachsene teilen sich ein Zimmer.

Sie bekommen zum Teil minderwärtige Essenspakete statt Bargeld, Kleidung gibt es ausschließlich aus der Kleiderkammer, das Gelände ist umzäunt und erinnert an ein Gefängnis. (Kann es sein, dass das so gewollt ist?)

Es kommt immer wieder zu Selbstverletzungen bis hin zu Suizidversuchen. Um sich um die psychischen und alltäglichen Probleme zu kümmern, sind nachts jedoch überhaupt keine und tagsüber zu wenige Betreuer und Betreuerinnen vor Ort.

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