Nie wieder!

Dank euch ihr Sowjetsoldaten

Widersprüchliches zum Gedenktag

Über sechs Millionen Menschen sind von den deutschen Faschisten ermordet worden, weil sie Juden waren. Über eine Million von ihnen starben im Vernichtungslager Auschwitz. Ihnen allen ist der Gedenktag gewidmet, der alljährlich am 27. Januar begangen wird, dem Tag, an dem 1945 die sowjetische Rote Armee die überlebenden Häftlinge des Konzentrationslagers befreite. Nie wieder dürften sich solche Verbrechen wiederholen, hieß es gestern auch in in einer Gedenkstunde im Deutschen Bundestag. Nie wieder! Aber wer kann da sicher sein?

Mehr als jeder fünfte Bundesbürger unter 30 hat den Namen Auschwitz noch nie gehört. Das belegen Umfragen. Verfügen im Umkehrschluß 80 Prozent über die entsprechenden Fakten? Leider nein. Jeder dritte Deutsche weiß nicht einmal, daß Auschwitz in Polen liegt. Warum ist das so?

Konkretes Wissen über die Ursachen des Faschismus ist in Deutschland nicht erwünscht. In den Schulen und nicht nur dort wird darüber ein Schleier aus Halbwahrheiten gelegt. Die Legende zeichnet Hitler als bösen Mann, in dem das Volk unglücklicherweise den Messias sah. Die Groß- und Finanzindustrie, die den Diktator zu ihren Zwecken zu dem machte, was er war, wird oft nicht einmal erwähnt.

So wird die »erste Diktatur« erklärt. Im Geschichtsunterricht schließt sich die »zweite Diktatur«, also die DDR, nahtlos daran an. So lange sie existierte, war sie ihrem Gründungsschwur gemäß der Gegenentwurf zum Faschismus und ein wirklicher Garant für das »Nie wieder!«. Heutigen Kindern werden dagegen Parallelen eingebleut. Über 900 Besucher, sehr viele davon Schüler, werden täglich durch das Gruselkabinett von Hubertus Knabe in Berlin-Hohenschönhausen geschleust, um sie das Fürchten vor der DDR zu lehren. Das funktioniert. Wer Geschichtsklitterern die Hoheit verleiht, muß sich nicht wundern, daß das Geschichtswissen verkümmert.

Zum Beispiel das Wissen um die Anfänge der Bundesrepublik. Hans Globke war unter Hitler Kommentator der sogenannten Nürnberger Rassengesetze. Später wurde er Chef des Bundeskanzleramtes unter Adenauer. Ein Beispiel nur von Tausenden. Nazis gehörten immer dazu in der BRD. Und noch immer ist der Antifaschismus schwächer als diese fortwirkende Tradition. Das zeigt sich auch in der Ablehnung eines NPD-Verbots. So können Neonazis über ein Jahrzehnt lang mordend und brandschatzend durchs Land ziehen, ohne entdeckt zu werden. Der Verfassungsschutz beobachtet derweil traditionsgemäß die Linke.

Und Kriege? Nie wieder darf von deutschem Boden Krieg ausgehen. Auch das gehörte zum Gründungsschwur der DDR. Es war das Vermächtnis der Ermordeten, der Gefallenen und der Gequälten im von den deutschen Faschisten entfesselten Weltbrand. Heute wird das Gegenteil praktiziert: Möglichst kein Krieg mehr ohne uns. Deutschlands Freiheit wird am Hindukusch verteidigt. Nie wieder? Das muß erst noch erkämpft werden.

Quelle: JungeWelt, JW-Autor: Uli Schwemin

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