Sizzla ruft von deutschen Bühnen zum Mord an Schwulen auf

sizzlahess1Sizzla, Chauvinist, Schwulenhasser und nebenbei Dancehall-Star, will erneut in Deutschland und auch Österreich auftreten um seine homophobe Botschaft ins Land posaunen zu können.

DKP queer und red&queer berichteten schon mehrfach über homophobe Tendenzen in der Reggae-Szene und die Gefahr für Leib und Leben, unter der Homosexuelle auf Jamaika existieren müssen.

Die Zeitschrift Exit zog in ihrer Januarausgabe aus aktuellem Anlass nach. Auf einer Pressekonferenz 2007 in Köln tat Sizzla seine Meinung zu schwulen Männern kund: „Gründest Du eine Familie, erweist Du Deiner Mutter Respekt. Gehst Du zu anderen Männern, ziehst Du ihr Ansehen in den Schmutz. Ein Mann muss sich entscheiden, ob er ein Stück Dreck sein will oder ein stolzer Mann – so einfach ist das.“

Seinen Dreck durfte dieser Hassprediger im „U-Club“ in Wuppertal und im „Backstage“ in München verbreiten. Die Betreiber dieser Clubs zeigten sich Resistent gegen alle Forderungen, die Konzerte nicht stattfinden zu lassen und sprachen verärgert von einer „Hetzkampagne der Homoszene“, die an „Rufmord“ grenze. Es sei ihre Aufgabe, der Reggae- und Dancehallszene ein Forum zu bieten.

Fein! Demnächst kommen dann andere Clubs vermutlich auf die Idee, den „Künstlern“ der Nazi-Rock-Szene ebenfalls ein Forum bieten zu müssen!

In München versuchte DKP queer zusammen mit der SDAJ mit den Betreibern des „Backstage“ zu reden – ohne Erfolg. Auch nachdem Sizzla sogar ein Einreiseverbot in die Europäische Union bekam, scheute sich das „Backstage“ nicht mit allen Mitteln, das Konzert stattfinden zu lassen.

In Wuppertal versuchten mutige Aktivisten, den Auftritt des reaktionären „Künstlers“ im „U-Club“ zu verhindern und brachten einen Behälter mit Buttersäure in der Belüftungsanlage an, der leider frühzeitig entdeckt wurde.

Jetzt gaben die Veranstalter des Chiemsee Reggae Summer bekannt, dass Sizzla auch bei ihnen Spielen wird. „Sizzla Kalonji ist unbestritten eine der schillerndsten, aber auch umstrittensten Figuren in der Reggae- und Dancehall-Szene“, so freuen sich die Veranstalter des seit 1995 stattfindenden Open-Air-Festivals „Chiemsee Reggae Summer“. 2010 sollen rund 40 Sänger oder Bands zwischen dem 27. und dem 29. August auftreten. Auch hat sich Sizzla für Ende August zum österreichischen „Sunsplash Reloaded Festival“ in Wiesen (Burgenland) angemeldet.

Am Chiemsee werden wie 2009 ca. 25.000 Reggae-Fans erwartet. Sizzla scheint dabei den Veranstaltern besonders am Herzen zu liegen: „Beim Chiemsee Reggae Summer feiert der Jamaikaner 2010 seinen einzigen Festival-Auftritt in Deutschland“, so die gegenwärtige Topmeldung im Nachrichtenticker des Festivals, auch auf den Werbeplakaten wird er als Hauptauftritt angekündigt.

Zwar gibt sich die deutsche Reggae-Szene homofreundlicher als die jamaikanische, aber auch hier wird Gewalt gegen Schwule verharmlost. Immer mit dem Hinweis, dass man nicht Regeln und Maßstäbe von hier in einer „anderen Kultur“ ansetzen kann. Auch würde es reichen, wenn Sizzla seine schlimmsten Hasslieder nicht auf Konzerten in Deutschland singen würde.

So hat der Wuppertaler U-Club damals erklärt, dass die Mordaufrufe schließlich ein Teil der jamaikanischen Kultur seien. „Homophobie ist auf Jamaika kulturell, religiös und sogar gesetzlich verankert“. Leider wird der deutsche Reggae-Sänger Gentleman, der sich selbst gegen jegliche Homophobie ausgesprochen hat, sich nicht gegen das Festival aussprechen. Er wird wie Sizzla beim Chiemsee Reggae Summer auftreten.

Die Chiemsee-Veranstalter ließen verlauten: „Wir sind für Kunstfreiheit, wir sind für Meinungsfreiheit, den Respekt vor anderen Kulturkreisen und wir sind gegen verfassungswidrige Zensurbestrebungen. Selbstverständlich achten wir und alle auftretenden Künstler darauf, dass beim Chiemsee Reggae Summer die Gesetze der Bundesrepublik Deutschland eingehalten werden“.

Bleibt abzuwarten, wann die Chiemsee-Veranstalter ihr erstes „Blood-And-Honour-Festival“ veranstalten – alles im Namen der Meinungsfreiheit, versteht sich – und so Störkraft und Konsorten auch einem breiteren Publikum zuführen. Wir aber bleiben dabei: Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen, und das gilt insbesondere auch für Homophobie!

Wir meinen, mehr Protest ist vonnöten und ein Boykott eben solcher Clubs und Festivals die diesen reaktionären Interpreten ein Forum bieten; darü ber hinaus Aktionen gegen die Labels, die diesen Dreck vermarkten!

Es reicht nicht, den verbalen Brandstiftern von der Art eines Sizzla scheinheilige Bekenntnisse abzutrotzen wie den „Reggae Compassionate Act“ – in diesem Abkommen zwischen Reggae-Interpreten und der Schwulenrechtsorganisation verpflichteten sich alle Unterzeichner zu Respekt gegenüber anders Denkenden und Lebenden – vom Juli 2007, den Sizzla in London aus Angst vor finanziellen Ausfällen unterzeichnete, was britische Homosexuellenverbände als großen Durchbruch feierten. Auf Jamaika bestritt Sizzla, den Act unterzeichnet zu haben.

Wir meinen, wenn es in Deutschland zum Glück nicht möglich sein kann, offen zu Vergewaltigung, Brandstiftung, Entführung oder auch zum Missbrauch an Kindern aufzurufen, so sollte das doch auch für den Aufruf zum Mord an Homosexuellen gelten oder gibt es für uns in diesem Lande plötzliche keine Menschenrechte mehr?

Hinweis der Redaktion: Der Autor bedankt sich für die Unterstützung von Mark und Thomas.

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