Stellungnahme GLADT e.V. zum Kiss In von Maneo am 17. Mai Internationaler Tag gegen Homophobie und Trans*phobie

gladt„Kreuzberg und Wedding sind keine Kurzzeit-Bühne für Maneos einstündige Inszenierung von farbenfroher Weltoffenheit“

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Homophobie und Trans*phobie am 17. Mai veranstaltet das schwule Anti-Gewalt-Projekt Maneo Kiss-Ins in Berlin. Diese sollen nach eigener Aussage zu einem „bunteren und weltoffenerem Berlin“ beitragen. Dazu wurden Orte (z.B. Kottbusser Tor, Kreuzberg; Sparplatz, Wedding) ausgesucht, in deren näherer Umgebung es mehrfach zu Übergriffen auf LSBTI* Personen kam. Schöne Idee. In der Theorie. Aber zu kurz gedacht.

Ganz praktisch bereitet uns diese Aktion Bauchschmerzen, und zwar aus mehreren Gründen. Vor allem in Kreuzberg, wo viele verschiedene Communities und Szenen zusammenfließen und dadurch einen sehr vielfältigen und spezifischen Sozialraum bilden, mutet die Maneo-Aktion geradezu grotesk an: Eine weiße, cis-männlich-dominierte, schwule Organisation wirft hier einen Hilfeballon für eine bessere Welt ab, ohne mitzudenken, dass hier lokale Aktivist*innen schon seit Jahren communitybasierte Antidiskriminierungsarbeit leisten. Diese wurden nicht einmal eingeladen. Das nicht nur arrogant, sondern vor allem respektlos! Wir kritisieren Maneos Vorgehen! Wir leben in einer Gesellschaft, die rassistisch, diskriminierend, homophob und trans*diskriminierend ist, und wir verurteilen Gewalt und Diskriminierung zutiefst.

Wir empfinden es als Schlag ins Gesicht, dass sich Maneo auf Übergriffe an Orten konzentriert, an denen wir durch Kontaktaufnahme, Zuhören, Fragen beantworten, Fragen stellen, sich hineinversetzten, mal lachen und mal streiten in den letzten Jahren so viel erreicht haben. Wir leben in Kreuzberg und Wedding, dies ist keine Kurzzeit-Bühne für Maneos einstündige Inszenierung von farbenfroher Weltoffenheit. Im Gegenteil gefährdet die Maneo Aktion die Beziehungsarbeit zu unseren Nachbar*innen und stellt sie auf die Probe.

Das Konzept des Kiss-Ins ist fragwürdig. Angeblich ist es eine Veranstaltung, die vor allem von Menschen besucht werden kann, die geoutet sind. Das Konzept des Outings ist ein sehr weißes und westliches. Als sei es die Krönung der Emanzipation, wenn alle wissen, wen Mensch liebt und begehrt. Die menschliche Identität strukturiert sich nicht nur nach der sexuellen Orientierung und/oder der Geschlechtsidentität. Viele von uns machen in dieser Gesellschaft Erfahrungen, die uns z.B. auf Grund von Rassismus ‚Anders‘ fühlen lassen, oft noch bevor wir ein klares Bild davon haben, wen wir begehren bzw. ob wir das uns zugeordnete Geschlecht als passend empfinden. Auf Grund dieser Erfahrungen sind Menschen mit Rassismuserfahrungen anders auf Familie und Community angewiesen als weiße Menschen. Es ist also auch hier sehr fraglich, was ein Kiss-In an einem Ort wie zum Beispiel dem Kottbusser Tor bewirken soll.

Wir sprechen uns gegen das Ausblenden unserer Antidiskriminierungsarbeit in unseren Lebensräumen aus!

Für mehr Sichtbarkeit und einen respektvolleren Umgang aller queerer Szenen miteinander!

GLADT e.V.

Für weitere Fragen stehen wir gerne zur Verfügung

Telefon: 030 – 26 55 66 33

e-Mail: info@gladt.de

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