»Süßer die Glocken nie klingen?«

Ein Bericht von Stefan aus Kopenhagen

-Kirche muss Homo-Paare trauen- ein Sieg für die Bewegung?

Am 7. Juni wurde im dänischen Parlament mit den Stimmen von Grünen,SozialdemokratInnen; Liberalen und sozialistischer Einheitsliste das Gesetz zur Trauung homosexueller Paare beschlossen.

Damit hat die rot-grün-lila Minderheitsregierung eines ihrer Wahlversprechen eingelöst.

Hatte die alte Rechts-Regierung mit Tolerierung durch die rassistische Volkspartei es jahrelang abgelehnt, die Kirchen per Gesetz zu verpflichten, homosexuelle Paare zu trauen (die Kirche untersteht hier dem Staat), ging der linksliberale Kirchenminister gleich nach der Wahl zur Sache und rief damit die kirchliche und politische Rechte auf den Plan.

Einige Gemeinden haben angekündigt, die Regelung nicht umzusetzen, einzelne sind ausgetreten. In der Parlamentsdebatte preschte der notorische Rassist Alex Ahrendtsen von der Volkspartei, der im Wahlkampf mit einem Video, in dem arabische Jugendliche verunglimpft wurden, durch provokatives Auftreten vor. Er warf Liberalen und Konservativen, die für das Gesetz stimmten, vor, damit dem Sittenverfall Tür und Tor zu öffnen und setzte Homo-Ehe mit Kiffen gleich.

Diese Absurditäten weisen wir natürlich zurück. Queere Kommunist_innen stehen in vorderster Front bei der Bekämpfung von christlichem Fundamentalismus und homophober Bigotterie, ob sie nun von Politiker_innen oder von Sekten kommt.

Auch spielen wir uns nicht zum moralischen Richter über das Privatleben anderer Menschen auf. Dass Dänemark jetzt nachzieht, ist ein Stück europäischer Normalität. Wir Kommunist_innen verteidigen das Recht aller, so zu leben, wie sie möchten. Wer heiraten will, soll das tun. Was wir allerdings kritisieren, ist die Funktion von Ehe und Familie im Kapitalismus.

Schon Engels beschrieb Ende des 19. Jahrhunderts die Funktion der bürgerlichen Kleinfamilie als zentral für die kapitalistische Produktion. In der Sowjetunion war es vor allem Alexandra Kollontai, die für sexuelle Befreiung kämpfte und sich dafür einsetzte, Kindererziehung als staatliche Aufgabe anzunehmen. Seit der 68er-Revolte kämpften Frauen- und Lesben-/Schwulenbewegung für sexuelle Selbstbestimmung und forderten u.a. „Staat raus aus dem Schlafzimmer! ” Es ist daher auch ein Treppenwitz der Geschichte, wenn führende Homo-Funktionäre heute nach staatlichen Regelungen und kirchlichem Segen rufen.

Linke „Kritiker_innen“ werden dabei als „Spassbremsen“ und „Spielverderber_innen“ gebrandmarkt. Auch wird nicht davor zurückgeschreckt, linke Blöcke aus den CSD-Paraden zu entfernen, so u.a. 2008 in Kopenhagen.

Diesem lesbisch-schwulen Mainstream (vorwiegend männlich) ist es egal, ob Kriege wüten und die Bundeswehr daran beteiligt ist; genau wie ihr das Schicksal schwul-lesbischer Flüchtlinge egal ist.

Dieses Establishment grenzt AIDS-Kranke, Tunten und linke Queers aus. Dieses Establishment kann sich Wochenendtrips nach London und reisen nach San Francisco leisten und ist wohl kaum von Sozialkürzungen betroffen.

Die Ja-Sager in der kapitalistischen Gesellschaft werden zum Ja-Sager vor dem Altar. Traurig, dass auch linke die Homo-Ehe für einen „Sieg“ und einen „Schritt in die richtige Richtung“ halten, anstatt die Ehe-Privilegien in Frage zu stellen. Sozialismus ist eine Befreiungsbewegung. Der Kampf um sexuelle Befreiung ist Klassenkampf!

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