Trotz HIV ein fast beschwerdefreies Leben

Deutsch-Österreichischer AIDS-Kongress berät über Verbesserungen in der Therapie

Wir bedanken uns herzlich beim Autor des Artikels Markus Bernhardt und der Tageszeitung JungeWelt.

Am Sonnabend endete der mittlerweile neunte »Deutsch-Österreichische AIDS-Kongress«, der in diesem Jahr in Hamburg stattfand. Von Donnerstag an hatten Mediziner und Vertreter von Selbsthilfeorganisationen über Verbesserungen der HIV-Therapie und wissenschaftliche Neuerungen diskutiert. So wurde etwa der Frage nachgegangen, wie sich die HIV-Behandlung im Lichte neuer Erkenntnisse, der Erwartungen von Betroffenen, Alterung, Begleiterkrankungen und gesellschaftlicher Veränderungen zukünftig entwickeln könnte.

Die einst tödliche Immunschwächekrankheit hat sich über die Jahre hinweg und aufgrund wirksamer Therapien zu einer chronischen Erkrankung gewandelt. Unter bestimmten Voraussetzungen, etwa wenn HIV im Blut unterhalb der Nachweisgrenze liegt, Infizierte zugleich in medikamentöser Behandlung sind und keine weitere sexuell übertragbare Krankheit haben, geben sie das Virus nicht einmal mehr weiter. Besagter Fortschritt bedeutet jedoch keineswegs, dass an der Situation von HIV-Positiven nicht noch vieles verbessert werden könne und müsse.

So haben Betroffene noch immer unter Ausgrenzung und Diffamierung zu leiden, die auf Vorurteilen, nicht aber auf dem aktuellen Forschungsstand beruhen. »Die Zeiten, in denen eine HIV-Infektion tödlich enden musste, sind vorbei. Die Therapie ermöglicht in der Regel ein fast beschwerdefreies Leben und schließt aus, dass die Infektion übertragen wird. Das sollte jeder und jede wissen«, betonte daher auch die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Claudia Schmidtke (CDU), in ihrem Grußwort bei der Eröffnungsveranstaltung des Kongresses.

Schmidtke wies auf das Problem hin, dass noch immer viele HIV-Positive nichts von ihrer Infektion wüssten und somit auch nicht behandelt werden könnten. Dies führt dazu, dass infolge der Infektion die Krankheit AIDS ausbricht und eine fachgerechte medikamentöse Behandlung dann deutlich schwieriger erfolgreich durchzuführen ist. Aus diesem Grund hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im letzten Jahr HIV-Schnelltests zum freien Verkauf über Apotheken oder das Internet zugelassen und dafür gesorgt, dass Menschen mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko einen gesetzlichen Anspruch auf eine HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) haben.

Um gegen Vorurteile aktiv zu werden, hatten bereits am vergangenen Mittwoch mehr als 50 Unternehmen und Organisationen eine Deklaration gegen die Diskriminierung von Menschen mit HIV im Arbeitsleben unterzeichnet. Damit wollten sie am Vortag der Kongresseröffnung öffentlich ein Zeichen setzen und ein zeitgemäßes Bild vom Leben mit HIV vermitteln. Besagte Deklaration, die unter anderem von der Deutschen Bahn AG und der Hamburger Agentur für Arbeit unterzeichnet wurde, war auf Initiative der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH) entstanden.

»Alle gemeinsam machen wir deutlich: HIV braucht im Arbeitsalltag überhaupt keine Rolle zu spielen. Einem ganz normalen kollegialen Umgang steht nichts im Wege. Wir appellieren an alle Menschen in der Arbeitswelt: Tragen Sie dieses Wissen auch in Ihr Umfeld! Es schafft Erleichterung für alle Beteiligten«, konstatierte DAH-Vorstand Winfried Holz.

Außerdem wurden am Freitag die Initiative »BerLUN«, in der sich russischsprachige Drogenkonsumenten in der Unterstützung von HIV-positiven Menschen engagieren, und die Gruppe »frau+mama«, eine Selbsthilfegruppe von Frauen und Müttern mit HIV, mit dem »HIV-Community-Preis« ausgezeichnet, mit dem alle zwei Jahre herausragende Initiativen geehrt und gefördert werden, die der Verbesserung der Lebensumstände von Menschen mit HIV dienen, Diskriminierung entgegenwirken oder frühe Diagnosen fördern.

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