UZ Pressefest – Die Bandbreite – DKP queer Pressemitteilung

Die Bandbreite

Die Bandbreite

„Auf Grund diverser Hinweise müssen wir befürchten, dass es bei diesem Konzert zu massiven Störungen und Auseinandersetzungen kommen wird. Wir haben deshalb mit der Gruppe „Die Bandbreite“ vereinbart, dass ihr Konzert auf dem Fest ausfällt. Dies geschieht aus der Sorge, dass es uns sonst nicht möglich wäre, ein friedliches und solidarisches Volksfest auszurichten.“ Anstelle des Konzertes wird es eine Diskussionsrunde mit „Die Bandbreite“ geben, zu der BefürworterInnen und KritikerInnen eingeladen wurden.“, so ist es in der Presseerklärung der DKP vom 21.06.2011 nachzulesen.

In den letzten Wochen wurde massiver Druck aufgebaut, diese Gruppe wieder auszuladen. Sie dürfe nicht auftreten, weil sie sexistische, homophobe, rassistische, faschistische und antisemitische Inhalte verbreite. Was ist daran wahr, was daran konstruiert? Diese Frage stellen wir uns auch.

Über ihre Positionen kann man unterschiedlicher Meinung sein – so ist es auch in der Kollektiven Leitung von DKP queer.

Es gibt Kritiker, die in die Diskussion einbringen, „Die Bandbreite“ wäre sexistisch, homophob, rassistisch, faschistisch und verbreite Verschwörungstheorien. Darüber kann man geteilter Meinung sein.

Wir stellen fest: Man mag die Musik, wie deren Darstellungsform, mögen oder nicht – da gibt es, wie im Zusammenhang mit Auftritten anderer Künstler, unterschiedliche Meinungen. Das ist auch bei uns – gerade auch im Zusammenhang mit dieser Band – nicht anders.

Antisemitismus können wir in den Liedern und Texten nicht ausmachen. Die verbrecherische Politik der USA und Israels wird scharf angegangen dies aber als „antisemitisch“ hinzustellen entbehrt jeder Logik.

Der Vorwurf des Sexismus wird an zwei Liedern festgemacht, die – zumindest nach der Aussage der Band – als „Anklage und Abrechung mit dem Sexismus“ zu verstehen sein sollen. Es soll auch keine weiteren „Belege“, weder im Verhalten noch in ihren Aussagen geben, die den Sexismusvorwurf bestätigen. Darüber kann man streiten und sollte dies auch tun.

Homophobie wird an einer Aussage in dem Lied „Kein Sex mit Nazis“ festgemacht. Ob es in diesem Lied darum geht, den Widerspruch der Faschisten aufzuzeigen,  Homosexuelle als „entartete Untermenschen“ im KZ zu  foltern und zu ermorden aber bis 1934 in den eigenen Reihen Homosexualität für die Durchsetzung ihrer Ziele zu dulden, geht aus dem Liedtext selber leider nicht hervor. Stattdessen wird Faschismus banal verharmlost in den Lied – aber Homophobie ist das noch nicht.

Viele der Vorwürfe stammen von den rassistischen, sogenannten „Antideutschen“ und werden schon seit 2008/2009 gegen die Bandbreite verwandt. Damals wurde in dem Lied „Antideutscher“ die Politik dieser Rassisten im linken Gewand thematisiert. Auch deshalb sollte man darüber diskutieren, was Antisemitismus ist, gerade im Zusammenhang mit der Kritik der israelischen und US amerikanischen Kriegspolitik.  Komisch ist auch, dass die Vorwürfe immer mit Angriffen verbunden sind wie: sexistisch, homophob und verschwörungstheoretisch. Es wird der Eindruck eines breiten Protestes gegen die Gruppe erweckt, der offensichtlich so real gar nicht existiert. Cui bono? – Wem nutzt es?

Wir hoffen auf eine gute Diskussion die es mit Befürwortern und Kritikern geben soll und an der sich auch „Die Bandbreite“ beteiligen wird. Auch wir erwarten eine Debatte über die verschiedenen Aussagen, ihre bisherigen Auftritte und über ihre Liedtexte.

Wir möchten darauf hinweisen, das dieser Text ein Kompromiss ist. Glücklich sind wir alle nicht darüber.

DKP queer, Kollektive Leitung

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6 comments on “UZ Pressefest – Die Bandbreite – DKP queer Pressemitteilung
  1. Schelle sagt:

    ich halte es für falsch immer wieder darauf hinzuweisen, dass die kritik an der bandbreite auschließlich von ‚antideutschen‘ kommt. denn erstens stimmt das nicht und zweitens ist nicht alles was von ‚antideutschen‘ kommt verkehrt.
    „die feind meiner feinde sind nicht automatisch meine freunde‘

    es stimmt natürlich, dass die leide rnicht automatsich ‚antisemtisch‘ sind; das ganze ist etwas vertrackter. Die Bandbreite geht ebenso wie viele andere Verschwörungstheoretiker von einer sog. gehimen Weltregierung aus. und diese wird nunmal von ‚Juden‘ und ‚Amerikanern‘ gestellt. Das sagt die Bandbreite zwar so offen nicht, solidarisiert sich aber ausdrücklich mit Leuten, die so etwas behaupten.

    Und ich sage: ‚Juden‘ , die die Welt beherrschen…das kenne ich doch irgendwoher!?!

    naja egal, spätestes seit dem rapper Makss Damage, der auhc behauptet hat, dass er ‚links‘ wäre, um dann bei den Nazis einzusteigen, weiß ich, dass ich lieber auf das schaue, was die Leute von sich geben….und da sehe ich bei der bandbreite nichts ‚linkes‘ 🙂
    (gegen nazis ist die cdu auch, das ist noch kein ‚linkes‘ merkmal.)

    PS. JAm, die verbrecherische Politik Israels…dat stimmt schon, allerdings prangern das andere gruppen, zum beispiel nazis oder islamisten, auch an. Viel wichtiger: Was ist die alternative? Hamas? Neee, danke.

    Kommunisten, Anarchisten, Internationalisten… aus Israel, Palästina…ja bitte!

  2. Thomas sagt:

    In der PM steht nicht ausschließlich sondern „Viele der Vorwürfe stammen von den rassistischen, sogenannten „Antideutschen““

    Ich habe auch große Probleme mit dieser Band, ihrem Auftreten, ihren Vernetzungen etc. Ob das einfach pure Dummheit ist oder beabsichtigt, weiß ich nicht.

    Die „Diskussionsrunde“ auf dem UZ Pressefest war nach meiner Meinung ein schlecht inszeniertes Theaterstück, um „Die Bandbreite“ auftreten zu lassen.

    Der schlechteste Schauspieler auf dem Podium war Dr. Dieter Dehm.

    Komisch (oder evtl. auch nicht) war, das alles zum Auftritt schon vorbereitet war.

    Nach meiner Meinung hätte diese Band nie eingeladen werden dürfen.

  3. Sascha sagt:

    @ Schelle: Doch! Alles, was von Antideutschen kommt ist verkehrt! Antideutsche sind ganz einfach Rassisten.
    Deine Vorwürfe, die Du der Bandbreite gegenüber anführst, tragen übrigens ebenfall eindeutig antideutsche Züge. Dass die Fäden international von imperialistischen Kapitalkreisen gezogen werden, ist wohl unbestreitbar und dafür braucht es auch keine Verschwörungstheorie.
    Alle imperialistischen Staaten gehören gleich bekämpft, auch Israel. Es ist nicht unsere Aufgabe, den einen imperialistischen Staat gegen den anderen zu verteidigen, sonder diejenigen zu unterstützen, die in ihren Ländern gegen den Imperialismus angehen – und da gibts ja auch durchaus eine beachtliche Anzahl Israelis!
    Ich war gegen die Absage des Konzertes. Ich sehe die Bandbreite weiterhin in einem Lernprozess fort von der Verschwörungstheorie hin zu marxistischen Grundlagen und fänd es sehr schade, wenn sie nun von marxistischer Seite einen Riegel vorgeschoben bekämen.
    Nichtsdestotrotz sollten sie sich von älteren Lieder distanzieren, wie z.B. Mies Muschel oder Kein Sex mit Nazis (zumindest von dem ziemlich dumpf-platten Querverweis auf Homosexualität)…

  4. Maria sagt:

    Es ist unklug die von der Bandbreite aufgestellte Behauptung: „Kritik kommt nur von Antideutschen“, permanent un-hinterfragt zu wiederhohlen. Die DKP erweist sich damit einen Bärendienst, belegt sie doch damit nur, das sie von den linken Debatten der letzten 20 Jahre nicht besonders viel mitbekommen zu haben scheint!
    In FFM z.B. wurde der Protest gegen den Auftritt der Bandbreite im Club Voltaire ausschließlich von Nicht-Antideutschen getragen. Ein Mitlglied der Linkspartei, die CampusAntifa, die Antifa F, studentische Gruppen etc. Die Antideutschen: Gruppe Morgenthau, Prozion etc. haben sich überhaupt nicht beteiligt und mir ist auch ansonsten ÜBERHAUPT kein Text oder Statement von Antideutschen bekannt, das gegen die Bandbreite Stellung bezieht.

    Ich halte das ganze für ein ziemlich leicht zu durchschauendes Manöver der Bandbreite, einfach jede Kritik mit dem Verweis auf „Antideutschtum“ mundtot zu machen!

    Mit der Kritik an den Verschwörungstheorien von der Bandbreite, halte ich es mit @Schelle. Was die Bandbreite vertritt ist nicht der aufgeklärte, an den wirklichen Bedingungen des Kapitalismus orientierte Antiimperialismus den ich mir wünsche.

    Ich war eigentlich auf dem UZ-Pressefest, weil ich mir schon seit langem verschiedene linke Organisationen anschaue und mich gerne organisieren würde. Die Bandbreite und das ganze Gerede drumherum hat mich ziemlich abgeschreckt. Die DKP sollte dazulernen.

    • Sascha sagt:

      ich gebe Dir recht, dass es der Bandbreite an aufgeklärter Imperialismusanalyse fehlt…

      Du sagst, der Auftritt im Club Voltaire sei ausschließlich von „nicht-antideutschen“ Gruppen verhindert worden. Dazu möchte ich anmerken, dass sich viele Ideen der Antideutschen mittlerweile ausgebreitet haben bis hinein in den bürgerlichen Mainstream… sowas, wie: Kritik am Kapital = Kritik an Juden, weil die ja das Kapital sind (eigentlich an sich schon wieder antisemitisch diese Behauptung!)… oder Kritik an Israel = Antisemitismus…

      natürlich wird eine CDU nichts ins Programm aufnehmen, was die Auflösung Deutschlands propagiert aber auf dieser von mir eben beschriebenen Schiene fahren mittlerweile viele Gruppen und Organisationen oder lassen sich, wenn auch unterschwellig, davon beeinflussen, und ich finde die Vorstellung gruselig, dass sich sowas auch in DKP und SDAJ einschleichen könnte…

      an dem Tag, an dem die DKP die aggressive Politik der israelischen Regierung gegen die Palästinenser rechtfertigt, werde ich mein Parteibuch zurückgeben!

      was die Bandbreite und ihre Verschwörungstheorie angeht.. ja, viele gerade der älteren Lieder sind definitiv verschwörungstheoretisch…

      andere sind einfach nur dämlich von ihren Texten… Die Bandbreite sollte sich DRINGEND davon distanzieren, wenn sie wieder ernst genommen werden möchte!

  5. Roy sagt:

    Ich finde DKP queer sollte sich in Selbstkritik üben und mit einer weiteren Erklärung ihre alte Einschätzung revidieren bzw. ergänzen.

    Die Meinungen der Pressefestbesucher sprechen doch eine eindeutige Sprache: http://youtu.be/-Z8M5jTm490

    Der Parteivorstand der DKP hat das bereits getan. Und ihr Auftritt auf dem Pressefest wurde so sehr von den Besuchern gefordert, das sie am Ende – den Kritikern zum Trotz – doch singen durften. Es wäre dumm von DKP queer, wenn sie aufgrund kultureller Borniertheit hier nicht einen Fehler eingesteht. Konstruktiv könnte man die Bandbreite vielleicht sogar für eine gemeinsame Veranstaltung zum Thema Sexismus und Homophobie in der Musik o.ä. gewinnen.

    Es wäre fatal drückte man euch in eine antideutsche Ecke, die hinter jedem Scheiss Sexismus und Frauenfeindlichkeit verortet und der bundesdeutschen Linken per se Antisemitismus vorwirft, welchen sie in ihrer Beschränktheit einfach mit Faschismus gleichsetzen.

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