Vor 70 Jahren begann der blutrünstigste Krieg auf europäischem Boden

westerplatteVor 70 Jahren begann der blutigste Krieg in der Geschichte Europas.

Der 1. September gilt offiziell als der Kriegsbeginn. Tatsächlich agierte Hitlers Wehrmacht damals bereits drei Jahre auf dem Kontinent, und riss alles an sich, was schlecht lag. War der Zweite Weltkrieg zu vermeiden? Musste er wirklich so langwierig sein? Der Historiker Dr. Sergej Guk analysiert auf dem Moskauer Rundfunksender „Stimme Russlands“ gemeinsam mit Sachverständigen die Ursachen dieser Tragödie.

Besaß die UdSSR eine Alternative zum Abschluss des Nichtangriffspaktes mit Deutschland? Zweifellos. Aber unter einer Bedingung: wenn die europäischen Politiker Moskau eine Wahl gelassen hätten. Man hätte den Aggressor durchaus zügeln können. Davon waren die britischen Generalstabschefs überzeugt, die der Regierung am Vorabend des Krieges einen Plan zur Bildung einer neuen Entente vorgeschlagen hatten. Ebenso dachten die amerikanischen Generale und ihre französischen Kollegen. Auch einzelne weitsichtige Politiker wie zum Beispiel Winston Churchill. Aber eben nicht die Machtgewaltigen jener Zeit. Diese handelten der offensichtlichen Logik zuwider.

Mit einem höchst seltsamen Gegenvorschlag reagierte London auf alle Appelle aus der UdSSR, in Europa ein System der kollektiven Sicherheit zu schaffen. Darin „hieß es, dass die UdSSR verpflichtet sein wird, unverzüglich Großbritannien und Frankreich Beistand zu leisten, sollten sie in einen Krieg hineingezogen werden“, erinnerte sich später Churchill. „Allerdings wurde darin mit keinem Wort irgendeine Hilfe für die Sowjetunion erwähnt, sollte diese infolge ihrer Verpflichtungen gegenüber einem Staat Osteuropas in einen Krieg hineingezogen werden.“

Zusammen mit Frankreich, so Churchill ferner, musste man „Polen aufrufen, keine Hindernisse auf den Weg zur Erreichung des gemeinsamen Ziels zu legen. Man sollte nicht nur der vollen Zusammenarbeit mit Russland zustimmen, sondern in das Bündnis auch die drei Staaten des Baltikums – Litauen, Lettland und Estland – aufnehmen. Diese drei Staaten brauchten absolut das freundschaftliche Russland, das ihnen Waffen geben und eine andere Hilfe hätte erweisen können.“

Churchill, der sich auf die Erfahrung des Ersten Weltkrieges stützte, appellierte umsonst an das Selbsterhaltungsgefühl seiner europäischen Kollegen. „Es besteht keinerlei Möglichkeit“, sagte er in einer seiner Reden am Vorabend der Tragödie, „die Ostfront ohne die aktive Mitwirkung Russlands vor einer nazistischen Aggression zurückzuhalten. Russland ist zutiefst daran interessiert, Hitlers Pläne in Osteuropa zu stören. Vorerst kann noch die Möglichkeit existieren, alle Staaten und Völker von der Ostsee bis ans Schwarze Meer in einer festen Einheitsfront gegen ein neues Verbrechen oder ein Eindringen zusammenzuschließen. … Zusammen mit der Macht der Westmächte könnte er Hitler … solche Kräfte gegenüberstellen, denen das deutsche Volk keine Herausforderung zu stellen wünscht.“

Chamberlain reagierte darauf mit der Erklärung, dass er eher seinen Rücktritt einreichen werde, als ein Bündnis mit Stalin zu unterzeichnen. Polen und die Staaten des Baltikums sträubten sich ebenfalls. Sie wollten von Moskau keinerlei Garantien und keinerlei Hilfe annehmen. Sie zogen es vor, einen Reigentanz um Hitler zu machen und ihn zu beschwören, wer weiß wen zu verschlingen, nur nicht sie. Sie wollten nicht sehen, wie nacheinander die Knochen ihrer Nachbarn unter dem Stiefel der Wehrmacht knirschen. Sie wollten sich nicht der Tatsache bewusst werden, dass das Schwungrad der blutigen Maschinerie immer schwerer zu stoppen sein wird, wenn es erst einmal in Schwung gekommen ist. Das Spiel, wer ausscheidet, ging weiter.

… Aus der Instruktion, die die Regierung der britischen Delegation zu den Verhandlungen in Moskau im Sommer 1939 gegeben hatte: „Die britische Regierung wünscht nicht, irgendwelche konkreten Verpflichtungen zu übernehmen, die uns unter diesen oder jenen Umständen binden könnten.“ Wie durch Kohlepapier geschrieben, folgte eine Direktive des Außenministers der USA Thomas Hall: „Wir dürfen keine Versprechungen geben und wir dürfen keinerlei Verpflichtungen bezüglich unserer künftigen Politik gegenüber der Sowjetunion übernehmen.“

Igor Maximytschew, der leitende wissenschaftliche Mitarbeiter des Europa-Instituts der Russischen Akademie der Wissenschaften, konkretisiert das so: „Die Hauptrichtung der Propaganda Hitlers bestand darin, dass der Faschismus in Deutschland Europa angeblich vor dem Bolschewismus retten würde. Aber da Hitler auch noch Antisemit war, bezeichnete er das als ‚jüdischen Bolschewismus‘. Demnach wären sozusagen sie, die Deutschen, die letzte Hoffnung Europas.“

In Moskau fanden im Sommer 1939, wie bereits erwähnt, seltsame dreiseitige Verhandlungen der UdSSR mit England und Frankreich statt. Stalin hegte den Verdacht – und nicht unbegründet, dass es sich hierbei um eine Imitation und Betrug handele. Und deshalb bestand er auf einer eingehenden Beschreibung dessen, wo, welche Truppen welcher Länder und in welcher Anzahl im Falle einer Aggression Hitlers stehen würden. Darauf erhielt er keine Antwort. Die Delegationen waren zur Ablenkung nach Moskau geschickt worden. Damit die UdSSR keine Vereinbarung mit Deutschland abschließt.

Die Taktik des Hinziehens der Verhandlungen wurde in Großbritannien und in den USA ernsthaft kritisiert. Für die unverzügliche Schaffung eines Systems der kollektiven Sicherheit traten solche angesehenen britischen Politiker wie Churchill, Lloyd George und Beaverbrook ein. Nach dem Überfall Hitlers auf die UdSSR hatten die amerikanischen Generäle bereits 1941 Roosevelt zu überzeugen versucht, unverzüglich eine zweite Front zu eröffnen. Nicht so sehr, um der Sowjetunion zu helfen, sondern um Deutschland zu zerschlagen. Sie motivierten das damit, dass Hitler alle Kräfte nach Osten geworfen habe und somit die Atlantikküste verletzbar gemacht habe.
Anfang September 1941, und ebenso näher zum Winter hin, schloss Churchill die Möglichkeit eines separaten Friedens mit Deutschland nicht aus. Sein Argument lautete so: „Wir haben öffentlich erklärt, dass wir mit Hitler oder dem nazistischen Regime, das unter die Kontrolle seiner Armee genommen wurde, keine Verhandlungen führen werden. Es ist unmöglich, vorauszusagen, welch eine Regierung Deutschland dann haben könnte, wenn sein Widerstand geschwächt sein würde und es Verhandlungen führen wolle.“

Bei dem Gespräch mit Molotow in Washington stimmte Roosevelt dem zu, dass die Eröffnung einer zweiten Front in Europa im Jahr 1942 eine nicht aufzuschiebende Aufgabe sei. Dann aber gab er dem Drängen Churchills nach, und anstelle der Normandie landeten die Truppen im Herbst 1942 in Nordafrika, weit entfernt von Deutschland. Eisenhower nannte dieses Datum den finstersten Tag in der Geschichte.

Quelle: redglobe.de

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