„Wer nichts wird, wird Wirt“ – Ex-NPD-Chef Apfel aus der Versenkung aufgetaucht

Quelle: Wikimedia

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In diesen Tagen interessiert sich niemand mehr für den früheren NPD-Chef Holger Apfel. Seine Ex-Partei befindet sich mitten in der heißen Wahlkampfphase – am Sonntag winken ihr sogar Mandate im Europaparlament. Die Aufklärung der „Affäre Apfel“ hat der amtierende Vorsitzende Udo Pastörs – um die eigenen Aktivitäten nicht ins Stottern zu bringen – klammheimlich zu den Akten gelegt. Nun will ausgerechnet die NPD-Konkurrenz Die Rechte Apfel ausgebuddelt haben: Dieser versuche sich als Gastwirt auf Mallorca.

Nach seinem überraschenden Abgang als NPD-Chef im letzten Dezember (wir berichteten) hatte Holger Apfel kaum Optionen für seine weitere berufliche Zukunft. Auf Druck seiner früheren Parteifreunde war der 43-Jährige nicht nur vom Amt des Vorsitzenden zurückgetreten, sondern hatte ebenfalls sein Landtagsmandat in Sachsen niedergelegt. Seine damaligen Wegbegleiter warfen ihm sexuelle Übergriffe auf zwei junge NPD-Anhänger vor, ein Fall soll sich erst im letzten Sommer während der „Deutschland-Fahrt“ ereignet haben.

Handfeste Beweise für die Anschuldigungen lagen aber nicht auf dem Tisch. Einige Aktivisten, die Apfel nach wie vor die Treue hielten, sprachen von einer Intrige gegen denjenigen Mann, dessen Versuche der NPD mit seinem Konzept der „seriösen Radikalität“ ein unverfänglicheres Image überzustülpen, am Widerstand der Basis gescheitert waren. Der Verstoßene selbst wollte sich an nichts erinnern und schob seinen Filmriss auf einen zu hohen Alkoholgenuss.

Neuanfang auf Mallorca

Nun galt Apfel als „verbrannt“, nicht nur bei seinen einstigen „Kameraden“. Auf dem „normalen“ Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, dürfte für einen der bekanntesten Rechtsextremisten der Bundesrepublik wenig aussichtsreich sein. Deshalb hatte der dreifache Familienvater zunächst die Schweiz oder Österreich als mögliche Orte für einen Neuanfang ins Auge gefasst. Letztendlich scheint seine Wahl aber auf die beliebteste Ferieninsel der Deutschen gefallen zu sein: Mallorca. Das berichtet zumindest das der Neonazi-Partei Die Rechte nahestehende Onlineportal „DortmundEcho“.

10169433_10202843767909024_3625006073014108099_nBereits seit einigen Wochen liefen in einem Lokal Renovierungsarbeiten, schreibt der Blog aus der Stadt des unterlegenen DFB-Pokalfinalisten Borussia Dortmund. Dabei habe mit Matthias Wächter der erklärte Hauptfeind des Ruhrpott-Ablegers der von Christian Worch gegründeten Organisation Apfel vor Ort unter die Arme gegriffen. Der Dortmunder Ratsherr und Angehörige des NPD-Landesvorstandes habe an „Maravillas Stube“, die, wie auf einem Foto zu sehen den Untertitel „Restaurant bei Jasmin & Holger“ trägt, Hand angelegt.

„Alkoholexzesse und Puffbesuche“

Niedergelassen habe sich Apfel in „einem Villenviertel nahe der Inselhauptstadt Palma“. Abwegig ist diese Möglichkeit tatsächlich nicht, denn in der Vergangenheit hat der Ex-NPD-Chef auf dem balearischen Eiland den ein oder anderen Urlaub verbracht. Zu dem Tross gehörten stets weitere Funktionäre. Der Verfasser des „DortmundEcho“-Artikels glaubt den Sinn dieser Ausflüge erkannt zu haben: „Parteifunktionäre, die ihren Jahresurlaub zwischen Alkoholexzessen und Puffbesuchen auf der Mittelmeerinsel verbrachten und denen es mehr um ihr persönliches Wohl ging, als um das Vorankommen der nationalen Bewegung“, heißt es in dem Text.

Für die NPD sind die neuen Entwicklungen erst einmal unerheblich. Die Aufklärung der „Affäre Apfel“ hat für die Parteispitze längst keine Priorität mehr. Die von Udo Pastörs einst angekündigte Erklärung ist ausgeblieben. Unangenehm dürfte es aber werden, wenn der frischgebackene Wirt am Tresen ins Plaudern gerät. Denn: „Alkohol konserviert alles, ausgenommen Würde und Geheimnisse“ (Robert Lehmke).

Quelle: Endstation Rechts

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